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13.09.2026 , 15:59 Uhr
Mich irritiert weniger die Kritik an Serbien als die Selbstgewissheit, mit der hier ganze Gesellschaften moralisch sortiert werden: hier der aufgeklärte Westen, dort Serbien, Russland und „orthodoxe Länder“ als demokratieferne Problemfälle. Das ist keine Analyse, sondern ein Zivilisationsschema.
Serbien muss sich mit Mladić, Srebrenica und den Verbrechen der 1990er auseinandersetzen. Aber Serbiens Geschichte begann nicht 1992.
Der Zerfall Jugoslawiens, Krieg und Vertreibung, die NATO-Bombardierung 1999 ohne ausdrückliches UN-Mandat und der Kosovo-Konflikt prägen das Land bis heute. Wer diese Erfahrungen ausblendet und dann „europäische Werte“ beschwört, betreibt keine Aufklärung, sondern moralische Einseitigkeit.
Politische Kultur entsteht aus Geschichte und Machtverhältnissen, nicht aus Konfessionen. Europa ist nicht demokratisch, weil Voltaire in Paris saß, und Serbien nicht autoritär, weil dort orthodoxe Kirchen stehen.
Mladić war ein Kriegsverbrecher. Serbiens Traumata bleiben trotzdem real. Wer nur die Verbrechen der anderen erinnert und die eigenen Entscheidungen der Kritik entzieht, schafft keine Versöhnung – sondern neuen Ressentiments.
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