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24.03.2026 , 17:41 Uhr
Die Unschuldsvermutung ist kein „Privileg“, sondern ein Schutzschild. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, die Unschuldsvermutung sei lediglich eine technische Regel für den Gerichtssaal. In Wahrheit ist sie ein ethisches Fundament gegen unser eigenes Bauchgefühl. Wer sagt, er könne sich privat bereits ein Urteil bilden, gibt einem instinktiven Impuls nach, der die Komplexität der Wahrheit ignoriert. Wenn wir zulassen, dass eine gut inszenierte Opfererzählung ausreicht, um eine Existenz zu vernichten, dann untergraben wir unbewusst das System, das uns alle schützt. Die Unschuldsvermutung fordert uns auf, gegen unseren ersten Reflex anzuarbeiten – zugunsten einer objektiven Wahrheitsfindung. Wir müssen die Kraft aufbringen, Empathie für mögliche Opfer zu empfinden, ohne gleichzeitig die Unschuldsvermutung über Bord zu werfen. Es erfordert einen enormen Mut, bei schweren Vorwürfen nicht sofort in den Chor der Empörung einzustimmen. Es ist unpopulär, zur Zurückhaltung zu mahnen, wenn alle anderen bereits „Schuldig“ tippen. Doch genau diese Disziplin ist der Preis für unsere Freiheit.
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