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12.09.2026 , 10:40 Uhr
Herr Asmuth,
Ihr Kommentar trägt den großen Titel „Kapitalismus ist krank“, bleibt in seiner Analyse des Kapitalismus aber erstaunlich oberflächlich. Im Kern läuft Ihre Antwort darauf hinaus: Kapitalanlage ist riskant, also sollte der Staat die sozialen Sicherungssysteme nicht den Finanzmärkten aussetzen; stattdessen soll man Kapitalisten investieren und reich werden lassen und ihnen anschließend über höhere Steuern einen größeren Teil ihres Vermögens beziehungsweise ihrer Erträge wieder abnehmen.
Das kann man als sozialdemokratische Verteilungspolitik vertreten. Eine tiefe Kapitalismuskritik ist es nicht.
Schon Marx hat wesentlich genauer unterschieden. Kapitalismus besteht nicht darin, dass einige Menschen zufällig sehr viel Geld besitzen und andere zu wenig und der Staat diesen Verteilungsfehler anschließend durch höhere Steuern korrigieren müsste. Kapital ist ein gesellschaftliches Produktionsverhältnis. Geld wird als Kapital vorgeschossen, Arbeitskraft und Produktionsmittel werden eingesetzt, Waren und Dienstleistungen produziert und das vorgeschossene Kapital soll als vergrößerter Wert zurückkehren: G–W–G′. Profit und Akkumulation sind keine bedauerlichen Nebenwirkungen.
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