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die kinderfrageWarum haben Menschen unterschiedliche Geschmäcker?

Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Sami, 5 Jahre alt.

Hmmm, Schokolade, lecker! Rosenkohl? Urx, voll eklig! Was wir essen, schmeckt ganz unterschiedlich. Doch woran liegt das, und wofür ist das gut? Die Antwort liegt uns auf der Zunge: Dort sind Geschmacksknospen verteilt, die fünf verschiedene Geschmacksrichtungen erkennen: süß, salzig, sauer, bitter und umami. Umami ist der herzhafte Geschmack von Fleisch, Käse, Tomatensoße oder Pommes.

Grundsätzlich sind die unterschiedlichen Geschmäcker nicht dafür da, dass wir Essen und Getränke besonders lecker finden. Sie helfen uns, zu spüren, ob Nahrung genießbar ist. Süß meldet: Die Nahrung hat viel Energie. Eine Frucht etwa ist reif genug. Umami bedeutet: Da steckt Eiweiß drin, das wir zum Wachsen brauchen. Salzig zeigt Mineralstoffe an, die wir in geringer Menge für Muskeln und Nerven brauchen.

Sauer und bitter sind eigentlich Warn­signale. Die Nahrung könnte unreif oder verdorben sein. Auf sauer und bitter reagieren unsere Geschmacksknospen empfindlicher und vielfältiger als etwa auf süß. Unsere Alarm­anlage muss uns schließlich zuverlässig davor bewahren, etwas Ungenießbares oder sogar Giftiges zu essen oder zu trinken.

Kinder und Erwachsene haben unterschiedliche Geschmäcker. Kinder brauchen viel Energie zum Wachsen. Ihr Lieblingsessen kann ihnen deshalb manchmal gar nicht süß genug sein – was Erwachsenen vielleicht viel zu süß wäre. Erwachsene hingegen mögen Bitteres wie Kaffee oder Bier, was Kinder nicht mögen. Das liegt daran, dass Menschen mit der Zeit lernen, dass nicht alles giftig ist, was bitter schmeckt. Geschmack ist also eine Sache der Gewohnheit. Darum schmeckt eben auch irgendwann der Rosenkohl, wenn man ihn ein paarmal probiert hat.

Hast du auch eine Frage? Dann schreib sie uns an kinderfragen@taz.de

Vielleicht ist dir noch ein weiterer Geschmack eingefallen. Was ist denn mit scharf? Scharf ist eigentlich gar kein Geschmack. In scharfen Lebensmitteln steckt der Stoff ­Capsaicin. Der aktiviert den Alarm auf unserer Zunge, der für Hitze zuständig ist. Auch wenn das Essen gar nicht zu heiß ist, bekommt das Gehirn die Warnmeldung: Es brennt! Oft werden Leute, die sehr scharf essen, dann rot oder beginnen zu schwitzen, weil ihr Gehirn für Abkühlung sorgen will. Doch auch an dieses Warnsignal kann man sich nach und nach gewöhnen. Scharf essen zu können, ist also keine Superkraft, sondern ebenfalls reine Übungs­sache.

Philipp Brandstädter

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