wortwechsel: Eine offene Gesellschaft schützen
taz-Leserschaft unterstützt rechtliche und politische Maßnahmen zum Schutz queerer Menschen nach dem Anschlag in Berlin, beispielsweise die Ergänzung von Artikel 3 GG
Foto: Stefan Boness/Ipon
Mühlräder
wochentaz vom 1.–7. 8. 26
Einerseits ist der Artikel 3 des Grundgesetzes ein Versprechen an die im Text genannten, dass sie nie wieder (?) unter die Mühlräder der Mehrheitsgesellschaft geraten sollen. Die Queers in einer irgendwie gearteten Formulierung subsumiert dort mitaufzunehmen, wäre nur folgerichtig, fair und überfällig. Andererseits: Was können sich die schon jetzt genannten Gruppen denn von diesem gegebenen und explizit von dieser gegenwärtigen Bundesregierung zumindest in einigen Fällen gebrochenen Versprechens kaufen?
Insbesondere (Schwer-)Behinderte fühlen sich doch gerade dieser Tage von dieser Regierung schlichtweg verarscht. Was würde also die Erweiterung bringen, wenn die Bundesregierung das damit gesellschaftlich gegebene Versprechen ohnehin nicht hält? Wolfram Schneider, Berlin
Gesamte Gesellschaft
wochentaz vom 1.–7. 8. 26
Das war ein Anschlag auf die gesamte Gesellschaft, nicht nur auf Queers. Zumal sich viele, für die der CSD gedacht ist, gar nicht mit dem identitätspolitischen Begriff Queer identifizieren.
„Not all muslims“ zu rufen und in endlosen Texten die Fehler bei anderen zu suchen, statt mal die eigenen Positionen und Sehschwächen zu hinterfragen, bringt niemanden weiter.
Mendou auf taz.de
Tempolimit
„Mit weniger Geld mehr Klimaschutz“,
wochentaz vom 25.–31. 7. 26
Ein viel entschiedener Klimaschutz ist dringend notwendig. Dabei ist den effizienteren Methoden der Vorzug zu geben (E-Fuels gehören sicher nicht dazu!) Allerdings bieten sich diese nicht nur im Ausland. Ein sofort machbarer effizienter Schritt wäre ein generelles Tempolimit. Das würde durch den Minderverbrauch auch zur Entlastung bei den Spritpreisen führen und den Verbrauchern vermutlich mehr bringen als der fehlgeleitete Tankrabatt.
Die Bundesregierung macht in Sachen Klimaschutz Rückschritte und teure Umwege. Teile der Union, vor allem Markus Söder, leiten jetzt viel Geld in die Kernfusion. Ob das jeweils zu einer wirtschaftlichen Stromerzeugung in nennenswertem Umfang führt, steht in den Sternen. Und selbst wenn die zahlreichen Hindernisse dazu überwunden werden sollten, dann handelt es sich dabei immer noch um Wärmekraftwerke, die Kühlung brauchen. Dabei fehlt bereits heute immer wieder Wasser für die Landwirtschaft, die Schifffahrt, die Kühlung von Kraftwerken und manchmal sogar zum Löschen der Waldbrände. Eduar Belotti, Augsburg
Geld ist da
„Mit weniger Geld mehr Klimaschutz“,
wochentaz vom 25.–31. 7. 26
Aktuell forderte Bernward Gesang, Professor für Philosophie und Wirtschaftsethik, wir müssten „das Kunststück vollbringen, mit weniger Geld mehr Klimaschutz zu erzielen“. Warum eigentlich? Ganz generell verfügt diese Welt aktuell über mehr Möglichkeiten und viel mehr Geld, als jemals in der Menschheitsgeschichte vorher. Wo wären wir, hätte man die Argumentation mit hohen Kosten bei der Einführung der Elektrizitätsversorgung und der motorbetriebenen Mobilität Ende des 20. Jahrhunderts ebenso angewendet?
Es wird Zeit, bei Zukunftstechnologien im Energiesektor und der Ressourcenschonung vorrangig neue Geschäftsmodelle zu sehen. Dazu muss man den Gedankenansatz einfach umdrehen und statt Kosten Erlösmöglichkeiten sehen. Thomas Hartmann, Kempten
Feministische Kritik
„Darf man das wollen?“,
wochentaz vom 25.–31. 7. 26
Es geht nicht immer alles. Menschen sind nicht autonom, weder als Einzelne noch als Paar. Man wurschtelt viel herum und versucht, sich gegenseitig zu helfen und ein komplexes Zahnrad zu bilden. Nur so ist die Gattung Mensch überlebensfähig. Damit wären wir bei einer seriösen feministischen Kritik an dem Konzept „Ich will das – ich gebe viel Geld dafür aus – ich kriege das“. Wann wird mal beleuchtet, dass Leben immer mit Grenzen und Unmöglichkeiten verbunden ist? Wann wird der menschliche/männliche Machbarkeitswahn reflektiert, den Reproduktionstechnologie mit ausreichend Geld und Technik zu befriedigen verspricht?
Shila Behjat hat Leihmutterschaft als Ausdruck eines „neoliberalen Maskulinismus“ identifiziert: „Das ist nicht das Patriarchat alter Prägung. Es ist auch nicht einfach Neoliberalismus. Es ist die unschöne Heirat aus beidem. Ein neoliberaler Maskulinismus“. Oder wie eine Bekannte von mir ihre Ablehnung begründete: Sie will nicht, dass Kerle sich einfach alles kaufen können.
Ulrike Müller, Berlin
Erinnerungskultur
„Mit Anti kommen wir nicht weiter“,
wochentaz vom 25.–31. 7. 26
Die Analyse von Peter Unfried spielt den Ball in die richtige Richtung. Zum einen sollte man schon wegen der ständigen Angriffe auf die historische Erinnerungskultur in Deutschland der politischen Rechten nicht einen Begriff wie „patriotisch“ überlassen. Zum anderen kommt es gerade in einer ökonomischen Krise, in der zusätzlich noch eine rasante geopolitische und technologische (Doppel-)Transformation stattfindet, in psychologischer Hinsicht darauf an, der verunsicherten Bevölkerung durch eine starke positive Zukunftsvision den nötigen demokratischen Halt zu geben, damit diese eben nicht zunehmend in radikale Gefilde abdriftet.
Deshalb hat Joschka Fischer hier in jedem Fall Recht, wenn man trotz aller Unzulänglichkeiten der Europäischen Union insbesondere jetzt für ein vereintes und selbstbewusstes Europa kämpfen muss, da sich nur so das bisherige Freiheits- und Wohlstandsmodell, das alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist, sondern erst mühsam errungen werden musste, aufrechterhalten lässt!
Rasmus Ph. Helt, Hamburg
Naturschutz
wochentaz vom 1.–7. 8. 26
Die kulturelle Würdigung der Pilze in Kunst, Architektur und Küche ist berechtigt. Sie darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Lebensräume unter Bodenverdichtung, Versiegelung, Schadstoffeinträgen, intensiver Forstwirtschaft und Klimaveränderungen leiden.
Während Tiere und Pflanzen im Naturschutz fest verankert sind, wird die Funga noch immer häufig wie ein Anhängsel behandelt. Timo Ertel, Wuppertal
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen