taz🐾sachen: Es gibt nicht nur „uns“ in Japan
Schauen wir mal nach Tokio. Soll heißen: Blättern wir – selbstverständlich erst nach Lektüre dieser kurzen Glosse! – auf die fast letzten Seiten dieser taz, knapp vor der finalen Wahrheit, denn da liegt derzeit bekanntlich Tokio.
Im taz-Sport gibt es eine Olympiaberichterstattung aus Japan, die ohne „Endlich Gold für Deutschland“ auskommt, die nicht auf den „Medaillenspiegel“ aka „Nationenwertung“ schielt und die sportliches Scheitern von Athleten und Athletinnen nicht als Verschwendung von Steuergeldern verunglimpft.
Das hingegen ist unser Anspruch: Eine Berichterstattung, die die Handelnden ernst nimmt, die die sozialen (und, was in Tokio zu Pandemiezeiten hinzukommt, die hygienischen) Bedingungen dieses Weltereignisses im Blick hat und die dennoch nicht vergisst, dass und warum viele Menschen den Sport lieben. Wir ja auch. Olympia muss kein Grund sein, unehrlich zu werden.
Alleine an diesem Freitag, am heutigen 30. Juli, finden 262 Wettkämpfe statt, 30 davon sind Entscheidungen über olympische Medaillen. Doch auch die Medien, die behaupten, sie präsentierten uns alles von Olympia, lassen unglaublich viel weg. 205 Länder gehören zum Internationalen Olympischen Komitee, mehr als in der UNO sind. Doch Medaillen, wenigstens eine bronzene, haben bislang Sportler und Sportlerinnen aus lediglich 135 Länder gewonnen. Über das verbleibende medaillenlose Drittel muss genauso berichtet werden wie über das eine oder andere Gold für Deutschland. Deswegen schauen wir jeden Tag nach Tokio. Deswegen sind wir ja auch in Tokio präsent. (mak)
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