: „Hören wir auf uns Wörter schlagen“
Eine Entdeckung: Nail Doğan gewann beim diesjährigen Open Mike den taz-Publikumspreis. Zu den Gedichten auf diesen Seiten
Beim diesjährigen Literaturfestival Open Mike, das unter Coronabedingungen selbstverständlich weitgehend virtuell stattfand, hat der Autor Nail Doğan einen ziemlich tollen Auftritt präsentiert. Als er dafür den taz-Publikumspreis bekam (der den Abdruck auf diesen Seiten beinhaltet), hielt er sich noch zurück. Als ihm dann auch noch der Lyrikpreis des Festivals, also einer der drei Hauptpreise, zugesprochen wurde, platzte es aus ihm heraus. „Das geht an all die Kanakenkinder, an all die Nomadenkinder, an all die Harz-IV-Empfänger-Kinder: Kunst gehört auch uns, Kunst gehört auch uns“, skandierte er und gab damit zu verstehen, dass er das Schreiben von Lyrik und damit verbunden das Stellen von Kunstansprüchen auch als gesellschaftlichen Aneignungsprozess versteht.
Da ich Nail Doğan nicht kannte, bat ich ihn, mir für diesen Abdruck ein paar Hintergrundinformationen zu sich und seinem Schreiben zu schicken. Er mailte den kleinen biografischen Text, der unter dem Foto auf dieser Seite jetzt abgedruckt ist. „Hält sich über Wasser. Schreibt.“ Gerade in seiner Sprödigkeit Selbstauskünften gegenüber hat der Text selbst lyrische Qualität. Ansonsten weiß ich noch über ihn, dass er in der 2019 erschienenen „Haymatlos“-Anthologie vertreten ist und dass es auf Youtube im Zusammenhang des Embassy-of-Hope-Projekts des Hamburger Thalia Theaters entstandene Filme gibt, in denen er Texte vorträgt.
Aber darüber hinaus können diese Gedichte, die vom wilden Assoziieren bis zu sanften Tonverschiebungen – und, klar, allerlei Mischungsverhältnissen aus dem Deutschen, Englischen und Türkischen – viele unterschiedliche Sprachhaltungen draufhaben, auch für sich selbst sprechen. Man konnte bei Nail Doğans Auftritt beim Open Mike den Eindruck gewinnen, einer Entdeckung beizuwohnen. (drk)
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