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Auktionstheorie geehrt

Der Wirtschaftsnobelpreis würdigt zwei US-Forscher, die komplexe Verfahren für Versteigerungen entwickelt haben – zum Beispiel von Mobilfunknetzen

Von Ulrike Herrmann

Der Nobelpreis für Ökonomie geht diesmal in die USA: an Robert Wilson, Jahrgang 1937, und Paul Milgrom, Jahrgang 1948. Beide lehren in Stanford und haben sich mit der Frage befasst, wie sich Bieter auf Auktionen verhalten – und wie sich dieses Wissen praktisch nutzen lässt.

Auktionen gibt es schon seit dem antiken Rom, aber früher wurden vor allem Kunstwerke versteigert – sowie Häuser oder Pfänder, wenn Schuldner ihre Kredite nicht zurückzahlen konnten. Doch inzwischen haben nicht nur Ebay-Kunden die Auktion entdeckt, auch Staaten nutzen das Instrument immer häufiger. So werden öffentliche Aufträge meist ausgeschrieben – und an den billigsten Anbieter vergeben.

Robert Wilson begann bereits in den 1960er Jahren, die Erkenntnisse der Spieltheorie auf Auktionen anzuwenden. Denn eine zentrale Frage für jeden Bieter ist: Wie viel würden die anderen Interessenten zahlen?

Wie Wilson und Milgrom zeigen konnten, sind Bieter bereit, mehr Geld auszugeben, wenn sie sich umfassend informiert fühlen. Es ist also im Interesse des Verkäufers, seine Waren umfassend zu beschreiben. Diese theoretische Erkenntnis war allerdings nicht besonders originell, sondern wird von jedem Ebay-Anbieter intuitiv beherzigt: Selbst banale Staubsauger werden aus allen Winkeln fotografiert, um sie im Internet meistbietend loszuwerden.

Echtes Neuland betraten Wilson und Milgrom erst, als sie anfingen, ganz neue Auktionsformen zu entwickeln, die sich auch für hochkomplexe Situationen eignen. Sie konzipierten unter anderem Modelle, mit denen sich Mobilfunklizenzen versteigern lassen. Diese Verfahren werden inzwischen weltweit genutzt und haben mehr als 200 Milliarden Dollar für die Staaten eingespielt.

Wilson und Milgrom sind neoklassische Ökonomen, die vom „Homo oeconomicus“ ausgehen, also vom rationalen Nutzenmaximierer. Dennoch sind auch Keynesianer einverstanden, dass sie den Nobelpreis erhalten. Der Bremer Ökonom Rudolf Hickel kommentiert: „Die beiden Forscher haben Spielregeln erarbeitet, die das einzelwirtschaftliche Gewinninteresse mit dem gesellschaftlich gewollten Ziel verbinden.“

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