Wentrup: Fantastische Welten, mineralisches Leben
Foto: Courtesy the artist and Wentrup, Berlin
Der Titel weist in die Irre: „Enclosed Natures“, eingeschlossene Naturen, hat Hicham Berrada seine zweite Einzelausstellung in der Galerie Wentrup genannt, doch natürlich sind die Landschaften, die Berrada präsentiert, eigentlich nicht. Sie mögen wie bizarre Unterwasserwelten anmuten, sind in Wirklichkeit aber das Resultat mannigfaltiger chemischer Experimente, die der Künstler in seinem Atelier vollführt. Die Naturwissenschaften sind dabei jedoch nur Mittel zum künstlerischen Zweck Berradas. Auf Erkenntnisgewinn zielt er nicht ab, im Gegenteil: Unter kontrollierten Laborbedingungen schafft er poetische, unwirklich-schöne Bilder mit Symbolwirkung. Berrada imitiert Landschaften in anderen Maßstäben aus organischem wie anorganischem Material, erzeugt Mikrowelten, in denen Mineralien und chemisch aktivierte Materie die Rollen von Flora und Fauna übernommen haben. Stürmisch geht es da mitunter zu, wenn Partikel tanzen, Brocken herumwirbeln, neonfarbene Nebel mineralische Steppen verschlucken und sich dann wieder verziehen. Beobachten kann man das in der Ausstellung in Videos der Serie „Présage“, an der Berrada seit 2007 arbeitet – in Realzeit gefilmte Prozesse reagierender Stoffe. Zwei Aquarien aus der Serie „Mancies“ bringen jene direkt in die Galerieräume: Metallische Skulpturen, deren Elemente elektrische Spannung hervorrufen, lassen die Korrosion der Umgebung wie ein orchestriertes Schauspiel erscheinen. Magisch wirken die Arbeiten allesamt – 2020 ist Berrada für den Prix Marcel Duchamp nominiert. (bsh)
Bis 25. 01., Di.–Sa. 11–18 Uhr, Knesebeckstr. 95
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