heute in bremen

„Viele fühlen sich eher überflüssig“

Foto: privat

Helmut Hafner, 74, ist Vorstandsvorsitzender der Anneliese Loose-Hartke Stiftung, Psychotherapeut und Lebensberater.

Interview Lukas Scharfenberger

taz: Herr Hafner, an wen richtet sich die Aktion „Weihnachten gemeinsam“?

Helmut Hafner: Wir bringen Leute zusammen, die an Weihnachten nicht alleine sein wollen. An den Weihnachtstagen ist die Einsamkeit besonders spürbar. Das ist ja ein Familienfest. Daher haben wir vor über einem Jahrzehnt den Entschluss gefasst, in möglichst allen Stadtteilen Bremens Feiern auszurichten. Auf unserer Website sind alle Orte vermerkt, an denen die Feste stattfinden, mit Infos zur Anmeldung.

Wie nehmen die Menschen Ihr Angebot an?

Gut. In allen Stadtteilen gibt es kleine Gruppen, die die Feiern vorbereiten. Und in einigen treffen sich die Gruppen dann auch das ganze Jahr über und planen andere Aktivitäten. Die Weihnachtsfeiern sind aber der Höhepunkt unserer Stiftungsarbeit.

Was ist das Ziel der Stiftung?

Wir haben uns gegründet, um Einsamkeit zu bekämpfen. Im Untertitel heißt unsere Stiftung: „Für ein Leben in Würde.“ In der Regel vermeiden wir das Wort Einsamkeit, da es sehr schambesetzt ist.

Wieso setzen Sie sich so sehr gegen Einsamkeit ein?

Weihnachten gemeinsam – Weihnachtsfeiern für alle, in verschiedenen Stadtteilen heute oder in den nächsten Tagen. Infos unter www.anneliese-loose-hartke-stiftung.de

Wir kämpfen ja immer gegen alle Formen von Diskriminierung. Aber es gibt viele Menschen, die nicht einmal diskriminiert werden. Sie fühlen sich eher überflüssig. Wir sind überzeugt, dass sich eine humane Gesellschaft gerade auch um diese Menschen kümmern muss. In England gibt es inzwischen ein Ministerium gegen Einsamkeit. Aber bei uns ist das Thema noch relativ tabu.

Wer kommt denn zu Ihnen?

Die Feiern in den einzelnen Ortsteilen sind immer ganz unterschiedlich. Letztes Jahr in Tenever, wo die Feier immer in einer Grundschule mit circa 200 Leuten stattfindet, saß neben mir ein syrischer Flüchtling, gegenüber drei Frauen aus Nigeria.