das portrait

Anneli-Sofia Räckervertraut Partnern

Arbeitet gerne auf Augenhöhe: Anneli-Sofia Räcker Foto: Albert Rohlofff

Als Anneli-Sofia Räcker vor 13 Jahren in Nepal war, traf sie einen Ökonomen, der eine Slumschule aufgebaut hatte. „Das Engagement, die Kompetenz, alles war da – nur das Geld fehlte“, erzählt Räcker. Seitdem versucht sie, engagierte Menschen in armen Ländern zu unterstützen, ohne klassische Entwicklungshilfe zu leisten. Für ihre Hilfsorganisation Keta-a-keti bekommt die Bremerin heute das Bundesverdienstkreuz.

Als „partnerschaftlich“ beschreibt die Psychotherapeutin das Konzept. Keta-a-keti initiiert Nichtregierungsorganisationen (NGOs) vor Ort, die dann von Engagierten aus dem Land selbst geleitet werden. Die suchen Familien aus, die über Mikrofinanzierung Geld für ihre Selbständigkeit bekommen. Nach sechs bis acht Monaten zahlen die neuen Unternehmer*innen den Kredit ohne Zinsen zurück – so können anderswo weitere Kredite vergeben werden.

Das Geld treibt Keta-a-keti in Deutschland auf, in Unternehmen oder bei Partnerschulen. 40 bis 60 Stunden die Woche arbeitet die 67-Jährige für die Hilfsorganisation, daneben ist sie berufstätig. „Das ist halt mein Leben“, sagt sie. „Ich kann nicht anders.“

Dass Entwicklungshilfe auch dazu beitragen kann, autoritäre oder korrupte Regierungen an der Macht zu halten, weiß sie. „Aber wir können nicht warten, bis die Korruption geht. In der Zwischenzeit sind die Ärmsten weiter am Boden.“ Dass auch das Keta-a-keti-Geld veruntreut werden könnte, hält sie für ausgeschlossen: Die NGO-Leiter vor Ort sind berufstätig, machen die Aufgabe ehrenamtlich und haben sich schon vorher sozial engagiert. Räcker besucht die Projekte, Kontrolle übt sie dabei nicht aus. Eine Evaluation soll es bald aber geben.

Richtig bekannt ist Keta-a-keti noch nicht. „Ich wollte das erstmal erproben“, sagt Räcker. Mittlerweile gibt es Kooperationen mit Nepal, Burundi und Sierra Leone. Langfristig sieht sie das Konzept weltweit verwirklicht. Wenn ihr der Bundespräsident heute das Bundesverdienstkreuz übergibt, hat sie ein paar Minuten Zeit, mit ihm zu reden. Die soll vor allem der Leiter der nepalesischen NGO bekommen – partnerschaftlich eben. Lotta Drügemöller