Das war auch

Eiswettklub toleriert jetzt „Damen“

Bremens Frauenbeauftragte gratulierte den Herren zu ihrer überfälligen Entscheidung

Es war ein Eklat, als Bremens Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne) im Januar die Teilnahme am Eiswettfest versagt wurde. Sie war von Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) als seine Vertretung benannt worden, weil dieser verhindert war. Patrick Wendisch, Präsident des privaten Herrenklubs, hielt dies für eine absurde Idee. „Wir machen diesen Gendergaga nicht mit“, sagte er damals der Bild.

Es hagelte Sexismus-Vorwürfe. Nun hat selbiger Präsident verkündet: „Damen werden künftig unsere Gäste sein und können auch ‚Genossinnen‘ werden, also zum Kreis jener gehören, die ihrerseits Gäste einladen dürfen.“ Das sagte er der Zeitung Die Zeit.

Bremens Landesfrauenbeauftragte Bettina Wilhelm freut sich: „Ich gratuliere den Herren zu dieser überfälligen Entscheidung.“ Der Ausschluss von Frau Linnert war für sie ein „Affront gegen die Demokratie, da eine Mandatsträgerin beim Ausführen ihres Amtes behindert wird“. Wilhelm begrüßte, dass Frauen nun auch Genossinnen werden können. Sie hofft auf tatsächliche Gleichberechtigung und wünscht sich daher, dass „auch an anderer Stelle Zeichen gesetzt werden“.

Wenn es nach Wilhelm ginge, sollten Frauen künftige Einladungen wahrnehmen – „aber nur, wenn sie nicht als nette Beigaben, sondern als tatsächlich Mitwirkende auftreten dürfen“. Die Bürgerschaft hatte im Februar beschlossen, dass Vertreter der Verwaltung nicht mehr am Eiswettfest teilnehmen sollten, bis dieses den Ausschluss von Vertreterinnen aufhebt. Demnach wäre nun eine Teilnahme von Bürgermeisterin Maike Schaefer (Grüne) & Co. möglich.

Als Begründung für seinen Sinneswandel sagte Wendisch der taz: „Die Eiswette steht für so viele positive Werte und ein positives Bild Bremens in der Business Community.“ Zu dieser würden heute „viel stärker als vor zehn oder 190 Jahren erfolgreiche Frauen gehören“. Für eine richtige Entscheidung sei es nie zu spät, findet Wendisch. Am Gästeprofil, Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, wolle er ansonsten nichts ändern.

Jedes Jahr lädt der einflussreiche Bremer Herrenklub zum Eiswettfest. Rund 800 Gäste treffen sich zum Grünkohlessen. Es werden Spenden gesammelt, Netzwerke gepflegt, Geschäfte und Politik gemacht. Frauen waren beim Eiswettfest, das seit 1828 gefeiert wird, bisher nicht zugelassen. Alina Götz