petition der woche

Wie viel Tradition verträgtdie Bundeswehr?

Anlass der Petition Das Verteidigungsministerium hat etwas gegen den Namen „Feldwebel-Lilienthal-Kaserne“

Das wollen die Initiatoren Einen Wehrmachtssoldaten als Namenspatron

Das wollen sie nicht Veränderung

Es gibt eine Kaserne in Delmenhorst-Adelheid, die nach dem Wehrmachtsfeldwebel Diedrich Lilienthal benannt ist. Die soll umbenannt werden, findet das Verteidigungsministerium. Eine Petition findet, das sollte sie nicht. Aber warum?

Weil Lilienthal ein Held gewesen sein soll! Als Panzerjäger blieb er 1943 trotz Verwundung bei seinem Geschütz und vernichtete in drei Tagen 18 russische Panzer. Dafür gab es das Eiserne Kreuz I. Klasse. Ein gutes Jahr später starb er in Ausführung seiner Pflicht. Ja, Lilienthal war ein Held, so wie Hitler ihn liebte.

Doch ist in der heutigen Zeit ein Kriegsheld des Dritten Reiches als Namenspatron für eine Kaserne echt nicht mehr en vogue. Zumindest steht das so, oder so ähnlich, im Traditionserlass der Bundeswehr von 2018, auf den sich die Bestrebungen, die Kaserne umzubenennen, stützen.

Dieser Erlass geht auf Ursula von der Leyen zurück. Nachdem 2017 der rechtsextreme Soldat Franco A. für Furore gesorgt hat und bekannt wurde, dass es in der Bundeswehr doch tatsächlich rechte Gesinnungen gibt, versuchte sie mit dem Traditionserlass, die Distanz zwischen der Bundeswehr, rechtem Gedankengut und der Wehrmacht zu vergrößern. So steht im Erlass: Die Wehrmacht als Institution sei nicht traditionswürdig.

Sven F., der Initiator der Petition, ist hingegen überzeugt: es geht nicht um die Wehrmacht als Institution, sondern um die Leistung eines einzelnen Soldaten, der es verdiene, geehrt zu werden. F., der für ein Gespräch leider nicht zu erreichen war, schreibt in einer öffentlichen Facebookgruppe zur Petition: „Diedrich Lilienthal hat in Ausübung seiner Pflicht vielen seiner Kameraden das Leben gerettet sowie sein eigenes verloren.“ Deswegen müsse sein Name in Verbindung mit der Kaserne bestehen bleiben.

Grundsätzlich ist es sogar möglich, das Vermächtnis von Wehrmachtsangehörigen in das Traditionsgut der Bundeswehr aufzunehmen, teilt das Verteidigungsministerium auf Anfrage mit. Seine Leistung müsse aber sinnstiftend bis in die Gegenwart wirken, etwa muss der Soldat am Widerstand beteiligt gewesen sein. Lilienthal kann man lediglich nachsagen, dass er nicht in Kriegsverbrechen involviert war – zumindest nach heutigem Stand der Erkenntnis.

Sven F. schreibt dagegen: „Wir finden, es ist egal, in welchem Krieg man gekämpft hat, denn bei der Würdigung durch eine Namensgebung steht allein das soldatische Können im Vordergrund.“

Lilienthal hat sein Handwerk offensichtlich verstanden, doch hält das Verteidigungsministerium dagegen: allein professionelles Können reiche nicht aus um sinn- und traditionsstiftend zu sein.

Aber eigentlich geht es doch um etwas anderes, meint der Petent: „Der Hauptgrund für diese Petition ist, dass wir unsere Kaserne mögen, so wie sie ist, und Tausende ehemalige Soldaten verknüpfen mit der Feldwebel-Lilienthal-Kaserne viele tolle Erinnerungen an ihre aktive Zeit in Delmenhorst. Daher treten wir für den Erhalt des Namens ein, damit die aktive Zeit vieler Kameraden nicht in Vergessenheit gerät.“ Derzeit hat die Petition 427 Unterstützer. Egal, ob die aktive Dienstzeit für die Öffentlichkeit wirklich so eng an den Namen geknüpft ist, wie Sven F. das behauptet: Es geht eben doch nur um Nostalgie und die Angst, vergessen zu werden. Clemens Sarholz