die drei fragezeichen

„Wir treffen uns in der Mitte und tanzen“

Foto: T. Hampel/Elbe&Flut

Frank Engelbrecht, 54, ist Pastor in St. Katharinen und Mitorganisator des Ost-West-Moves.

1 taz: Herr Engelbrecht, wird Hamburgs schrecklichste Autostraße, die alte Ost-West-Straße, die heute Willi-Brandt-Straße heißt, am Samstag besetzt?

Frank Engelbrecht: Wir feiern im Rahmen der „Nacht der Kirchen“ vor der Hauptkirche St. Katharinen an der Zollenbrücke ein Straßenfest mit Live-Musik, Essen und Getränken. In diesem Jahr wollen wir ab 20:30 Uhr mit einem Salsa-Flashmob auf die Straße gehen. Wir haben das angemeldet und erreicht, dass die Straße für Autos gesperrt wird. Für eine halbe bis dreiviertel Stunde wollen wir die Willi-Brandt-Straße für die Menschen erobern. Neu ist in diesem Jahr der Ost-West-Move. Auch auf der anderen Seite in der Neustadt halten die Akteure von Drunter & Drüber und die Stadtteilkonferenz einen Stadtworkshop ab und ziehen ab 20 Uhr vom Großneumarkt aus über die Friedrich-Ebert-Straße zu unserem Fest. Wir treffen uns in der Mitte und tanzen.

2 Was sollte aus Ihrer Sicht mit der Willi-Brandt-Straße passieren?

Eine Straße führt ja nicht nur von A nach B, sondern sie hat immer auch zwei Seiten, die sich gegenüber liegen, die in Verbindung treten wollen. Ich möchte, dass diese Straße überführbar wird, sodass sich beide Seiten begegnen können. Den Fußgängern wird es schwer gemacht. Oft fehlt an Kreuzungen ein Ampelüberweg und sie müssen einen riesigen Umweg im Halbkreis über drei Straßenübergänge machen, um auf die andere Seite zu kommen. Die Straße sollte auf zwei Spuren zurückgebaut werden, es sollte breite Radwege geben und mehr Überwege. Es wird jetzt auch anstelle des alten Commerzbankhauses bald Wohnungsbau geben. Die Straße wird immer belebter und kein reiner Auto-Durchfahrtsraum.

3 Warum fordern Sie keinen Tunnel, der das Problem unter die Erde verlagert, so wie in München oder Paris?

Habe ich lange gefordert. Und wenn man zaubern könnte und der Tunnel wäre von heute auf morgen da, wäre es gut. Es ist unglaublich, welchen Stadtraum man dadurch gewinnt. Aber ich glaube, es würde super teuer und würde ewig lange dauern. Und die Tunnel-Idee ist auf der Logik der Autostadt aufgebaut. Die Zukunft wird sein, dass wir sozial und ökologisch auf öffentlichen Transport setzen. Könnte sein, dass der Tunnel in zehn Jahren gebaut ist und das Autoproblem gar nicht mehr existiert.

Interview: Kaija Kutter