Grünes Doppel-Date

Die Grünen-Fraktion wählt am Dienstag ihre neuen ChefInnen. Zwei Paarungen stehen zur Auswahl, die AmtsinhaberInnen Göring-Eckardt und Hofreiter gegen das neue Team Kappert-Gonther und Özdemir. Aber wer steht für was?

Von Ulrich Schulte

die routinierte

Katrin Göring-Eckardt

Foto: laif

53 Jahre. Thüringerin, Christin, politischer Vollprofi. War schon alles, außer Ministerin: Bundestagsvizepräsidentin, zweimal Spitzenkandidatin, Fraktionschefin seit 2013. Will endlich ins Kabinett.

Das spricht für sie: Ewig dabei. Göring-Eckardt, Kampfname: KGE, ist eine der erfahrensten Grünen überhaupt. Macht in Talkshows eine bella figura, ist anders als die meisten wirklich ironiebegabt.

Das spricht gegen sie: Verantwortete als Spitzenkandidatin zwei 8-Komma-irgendwas-Ergebnisse. Ihre Kritiker fragen: Warum sollte sie eigentlich Ministerin werden?

Motto: Aus der Mitte entspringt ein Fluss.

Hobby: Tanzt gerne Walzer, Cha-Cha-Cha oder Tango.

Geheimwaffe: Cem Özdemir. Die Vorbehalte gegen ihn sind bei linksgrünen Abgeordneten groß. Gut für sie.

die neue

Kirsten Kappert-Gonther

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52 Jahre. Medizinerin und Bundestagsabgeordnete aus Bremen. Sitzt seit 2017 im Bundestag. Herzensanliegen Feminismus, wirbt für die Freigabe von Cannabis.

Das spricht für sie: Wäre ein neues Gesicht und verkörpert von allen BewerberInnen am ehesten Aufbruch. Solide Berufskarriere vor der Politik, was nicht selbstverständlich ist in der zum Berufspolitikertum neigenden Ökopartei.

Das spricht gegen sie: Kirsten … wer? Bundesweit (noch) wenig bekannt. Betreut in der Fraktion die Nischenthemen Drogenpolitik und Gesundheitsförderung.

Motto: Legalize it.

Hobby: Fährt gerne Rad. Liebt zeitgenössische Kunst. Leidenschaftliche Theatergängerin. Unterstützt in Bremen die Kulturszene.

Geheimwaffe: Psychiaterin und Psychotherapeutin. Das hilft in Grünen-Fraktionssitzungen.

der unverstellte

Anton Hofreiter

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49 Jahre. Bayerischer Grantler und promovierter Biologe. Seit 2013 Fraktionsvorsitzender, also Titelverteidiger.

Das spricht für ihn: Kennt sich super mit Ökothemen aus, etwa Verkehrs- und Klimaschutzpolitik. Integrativer Führungsstil, „den Toni“ mögen eigentlich alle.

Das spricht gegen ihn: Viele sagen, er habe ein Performanceproblem. Seine Reden – Typ: Dampframme – klingen immer ähnlich. Hat oft keinen Bock auf Smalltalk, deshalb nur bedingt Berlin-Mitte-kompatibel. Hat eine Urwahl deutlich gegen Cem Özdemir und Robert Habeck verloren.

Motto: Ich will so bleiben, wie ich bin.

Hobby: Geht gerne in die Berge oder fährt Kajak. Verschenkt selbst gemachte Pralinen. Malt Aquarelle, gerne von Pflanzen.

Geheimwaffe: Kann fehlerfrei aus Bertolt Brechts „Fragen eines lesenden Arbeiters“ zitieren.

der charismatiker

Cem Özdemir

Foto: imago

53 Jahre. „Anatolischer Schwabe“, Kind türkischer Gastarbeiter. Hat sich von ganz unten hochgearbeitet. Gut neun Jahre Parteivorsitzender. Will wieder in die erste Reihe.

Das spricht für ihn: Bester Redner der Fraktion. Wird nicht nur in Stuttgart oder Bad Urach auf der Straße erkannt. Prominentester Politiker mit Migrationshintergrund, das ist gut für Bündnis 90/Die Weißen. Kann mit Ulf Poschardt essen gehen, ohne dass der hinterher #Venezuela!!1! twittert.

Das spricht gegen ihn: Kann mit Ulf Poschardt essen gehen, ohne dass der hinterher #Venezuela!!1! twittert.

Motto: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Hobby: War mal Handballtorhüter.

Geheimwaffe: Kann seinen schwäbischen Dialekt an- und ausknipsen, um Heimatverbundenheit zu demonstrieren.