editorial

Business as usual war keine Option

Auch tazler.innen haben am Freitag gestreikt. Deswegen sieht diese Ausgabe der taz am wochenende nicht so aus, wie Sie es gewohnt sind

Von Barbara Junge

Wenn es eine Zeitung gibt, die seit Jahrzehnten gegen die beschleunigte Erderhitzung und zunehmende Umweltzerstörung anschreibt, dann ist es die taz. Und diese Zeitung sollte am Freitag streiken? Gegen wen? Uns drückt kein Verlag das billigste Papier auf. Unsere Chefetage wägt die CO2-Emissionen von Druck und Online-Lesen ab. Wer oder was sollte der Adressat dieses Streiks sein? Die Schülerinnen und Schüler, die jetzt mit Greta Thunberg auf den Barrikaden sind, haben eine eindeutige Adressat.in ihres Streiks: uns. Sie klagen die Erwachsenen dafür an, was für eine Welt wir ihnen überlassen. Sie verlangen von uns eines: Dass wir endlich handeln. Und jetzt all die Erwachsenen auf den Straßen. War das nur ein politisch korrekter Familienausflug? Protestiert unsere Generation gegen sich selbst? Erleben wir eine Selbstverpflichtung oder läuft der Streik gegen die Wachstumslogik des Kapitalismus Sturm?

Hunderttausende oder gar Millionen weltweit waren am Freitag auf den Straßen, um mindestens ein Zeichen zu setzen. Die Aufgabe von Journalist.innen ist es hier, über diese Proteste, über die Ergebnisse des Klimakabinetts und über die politische Großklimalage zu berichten. Für das Medium taz also eine klare Entscheidung: Die taz streikt nicht, sie berichtet.

Selbstverständlich bewegt der Streik aber auch uns tazler.innen. Die taz hatte sogar zu einem eigenen Block auf der Demo in Berlin aufgerufen. Und dann, die taz wird nicht nur von Journalis­t.innen gemacht. Zur taz zählen die Mitarbeiter.innen in den Produktionsabteilungen, in der Technik, im Verlag. taz, das sind Mitarbeiter.innen im taz-Restaurant, im taz-Shop und in der Genossenschaft. Aus allen Bereichen, Redaktion inklusive, sind am Freitag zahlreiche Mitarbeiter.innen streiken gegangen.

Also haben wir den Redaktionsschluss dieser Ausgabe schon auf 12 Uhr mittags vorgezogen, um es möglichst vielen Mitarbeiter.innen zu ermöglichen, zum Streik zu gehen. Alles, was danach noch passiert ist, hat eine Rumpfbesetzung geleistet.

Manche haben gearbeitet, um ihren Kolleg.innen das Streiken zu ermöglichen. Nur, mit der kleineren Besetzung war nicht mehr alles zu leisten. Ohnehin, das Letzte, das wir wollten, war, an diesem Tag Business as usual zu machen.

Der hintere Teil der taz am wochenende ist noch vollständig in den Druck gegangen. Das liegt daran, dass diese Seiten zum allergrößten Teil schon bis Donnerstagabend fertiggestellt werden. Denn die redaktionelle Planung der Wochenendausgabe beginnt schon weit im Vorfeld.

Die vorderen Seiten sind der Aktualität am Freitag vorbehalten. Das heißt: Die großen Politikseiten, die Nachrichten, die Meinungsseite und ein Teil der Kultur werden zwischen 9 Uhr morgens und 16 Uhr am Nachmittag geschrieben, redigiert, korrigiert, fotoredaktionell bearbeitet, layoutet und produziert. Unter den Bedingungen des Klimastreiks ist ein Teil der taz am wochenende nicht so geworden, wie Sie es gewohnt sind. Das spiegeln wir auf der ersten Seite.

Die Ergebnisse des Klimakabinetts finden Sie selbstverständlich trotzdem in dieser Ausgabe. Und weil wir nicht auf Berichte von den weltweiten Demonstrationen verzichten wollten, haben wir diese auf den folgenden Seiten mit Fotos dokumentiert. Ein Ressort, Online, hat seine Besetzung sogar noch aufgestockt, um den ganzen Tag über fast nichts anderes zu berichten, als Klima, Klima, Klima. In diesem Sinne, um es mit Robert Kennedy junior zu sagen: „See you at the barricades.“