das portrait

Karen Buse bereitete Frauen den Weg

Karen Buse: tritt als Präsidentin des Obersten Landesgerichtes Bremen ab Foto: Senatorin für Justiz und Verfassung

Klar war Karen Buse Richterin – aber ihr Job als Präsidentin des Obersten Landesgerichtes Bremen (OLG) war auch Politik, der Kampf etwa für mehr Personal an den Gerichten. Und so wollte Buse bei ihrer Verabschiedung am Donnerstag zwar nur eine Dankesrede halten, „ganz ohne Programmatik“, doch lassen konnte sie das Sticheln nicht: Ein eigenes Ressort für die Justiz in Bremen wäre schön gewesen, sagte sie mit Blick auf die Senatorin für Wissenschaft, Häfen und Justiz. „Aber vielleicht setzt Bremen mit dem Ressortzuschnitt ja einen Trend. Vermutlich bin ich nicht lang genug dabei, um die Nähe von Häfen und Justiz zu sehen.“

Lang genug dabei war Buse. 1980 wurde sie Richterin am Amtsgericht, 1992 dessen Vizepräsidentin. Nach einem dreijährigen Abstecher in die Exekutive als Staatsrätin bei Bremens Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) wurde sie 2011 als erste Frau Präsidentin des Oberlandesgerichtes. Unangenehme Entscheidungen hat sie dort durchgesetzt, sie hat zum Beispiel richterliche Urteile einer Geschäftsprüfung unterzogen, um zu sehen, wo Zeit verloren geht. Unbeliebt gemacht habe sie sich trotzdem nicht, sagte Vizepräsident Stephan Haberland bei der Verabschiedung – und beschreibt sie als akribisch und ausdauernd, witzig und empathisch. Bremer Gerichte sind personell stark geprägt von Buse: Von aktuell 190 Bremer Richtern wurden 72 in ihrer Amtszeit eingeführt.

Die 65-Jährige steht im Mittelpunkt, ohne prätentiös zu wirken. Ihre letzte Sitzung als Richterin hat die Präsidentin der höchsten ordentlichen Bremer Gerichtsbarkeit vor einigen Monaten in einem Zivilprozess am Amtsgericht gehalten – eine Kollegin war ausgefallen.

Buses Weg nach oben war nicht leicht – vieles habe man ihr als Frau nicht zugetraut. Mutter von fünf Kindern ist sie auch – Familie und Beruf zu vereinbaren, das, so Buse, „war die Leistung meines Mannes“. Mittlerweile ist etwa die Hälfte aller Chefposten an Bremer Gerichten mit Frauen besetzt. „Das ist ein Verdienst von Karen“, sagt Haberland. „Der Justiz tut das gut.“

Mit Ann-Marie Wolff, bisher Präsidentin des Amtsgerichtes, folgt ihr nun eine Frau im Amt der Präsidentin am OLG. Lotta Drügemöller