Lars Penning
Filme aus dem Archiv –
frisch gesichtet

Geschichten aus der Bergwelt verfilmte man in den Anrainerstaaten der Alpen bereits seit dem Ersten Weltkrieg, und so konnte sich Ernst Lubitsch in einer Groteske schon 1919 über den Alpentourismus mokieren: Dort zieht sein Held zwar mit Lederhose und Bergsteigerseil zum Urlaub in die Alpen, doch den Watzmann hält er für einen Herrn aus Berlin. Zum Genre entwickelte sich der Bergfilm erst mit den Werken des deutschen Geologen Dr. Arnold Fanck, der mit seinen Mitarbeitern in den 20er Jahren in die Natur zog, um dort kleine Dramen um große Berge zu drehen. Der Bergfilm erzählt vom Kampf Mensch gegen Natur: Erst in der extremen Herausforderung erweist sich die moralische Größe des Menschen – oder sein Versagen. Ein Klassiker des Genres ist Die weiße Hölle vom Piz Palü (1929), bei dem Fanck und G. W. Pabst, der die Inszenierung der Spielhandlung übernahm, gemeinsam Regie führten. Dabei ist die Geschichte um einen drastischen Wetterumschwung im Hochgebirge, der drei Menschen in Lebensgefahr bringt, einmal mehr ein Alibi für fantastische Naturaufnahmen in Eis und Schnee (5. 9., 19.30 Uhr, Babylon Mitte).

Die 50-jährige Autorin und Uni-Dozentin Claire (Juliette Binoche) kontaktiert den Mitbewohner ihres deutlich jüngeren Liebhabers mit einem falschen Facebook-Profil: Aus Claire wird die 24-jährige Clara, ein Foto der hübschen Nichte vervollständigt die Fälschung. Bald kommt man sich beim Chatten näher, und für Claire wird diese Beziehung immer wichtiger: Sie fühlt sich wieder jung, begehrt und lebendig. Und vergisst, dass sie am anderen Ende der Leitung einen Menschen belügt. Safy Nebbous Drama „So wie du mich willst“ strebt dabei nicht zwingend auf eine befriedigende Auflösung zu, sondern entwirft das gelungene Psychogramm einer einsamen Frau, der Juliette Bi­noche souverän Gestalt verleiht (5. 9., 7. 9., 11. 9., 16 Uhr, 9. 9., 18 Uhr, Bundesplatz Kino).

Der Film wurde nie vollendet, doch auch das mit Standfotos ergänzte Fragment von Queen Kelly zeigt in der Mischung aus satirischer Schärfe, absurden erotischen Fantasien und alle Maße sprengender Detailgenauigkeit die Genialität Erich von Stroheims als Stummfilmregisseur. Einmal mehr erschuf er eine abstruse Pseudo-Donaumonarchie, in der Gloria Swanson als unschuldiges Mädchen zum Objekt der Begierde eines Prinzen wird – und dafür von der Königin aus dem Palast gepeitscht wird. Viele geplante Plotwendungen wurden gar nicht gedreht: Der Produzent drehte den Geldhahn zu, nicht zuletzt, weil während der Dreharbeiten der Tonfilm aufkam (6. 9., 18 Uhr, Babylon Mitte).