Das war

Schulfrieden gerettet

Der nächste Hamburger Wahlkampf dürfte schulpolitisch träge werden. Die Hamburger CDU wird sich nicht die Rückkehr zum neunjährigen Abitur am Gymnasium (G9) auf die Fahnen schreiben, das ist seit dieser Woche klar. Die Parteibasis entschied am Montag bei einem „offenen Werkstattgespräch“, den Kurs von Spitzenkandidat Marcus Weinberg zu unterstützen, der dafür warb, den 2020 endenden „Schulstrukturfrieden“ mit den konkurrierenden Parteien SPD, FDP und Grünen noch einmal um fünf Jahre zu verlängern.

Der Pakt besagt, dass Schüler auch nach der aktuellen Legislaturperiode an Gymnasien nach acht Jahren ihr Abitur machen können (G8) und an Stadtteilschulen nach neun. Daran wollen die Parteien nicht rütteln.

Für Weinberg, der derzeit auch noch Bundestagsabgeordneter in Berlin ist, war es eine erste Probe als Spitzenfigur. Wäre die Basis ihm nicht gefolgt, wäre es peinlich geworden. Nicht so glänzend steht nun der CDU-Fraktionschef André Trepoll da, der öffentlich mit G9 geliebäugelt hatte. Hatte doch die CDU in Schleswig-Holstein 2017 mit dem Versprechen, das Turbo-Abi zu kippen, die Wahl gewonnen.

SPD-Schulsenator Ties Rabe, zeigte sich erleichtert. Eine Rückkehr zum G9, ist er überzeugt, hätte den Stadtteilschulen geschadet. Denn, so die Logik, solange nur sie das längere Lernen zum Abitur anbieten, ist die den Gesamtschulen nachempfundene Schulform attraktiv für Bildungsbürger.

Der Vertrag für den neuen Schulfrieden enthält viel Kleingedrucktes. Hervor sticht die Verkleinerung der Klassen an Gymnasien, die die CDU sich auf die Fahnen schreibt. So sollen die 5. und 6. Klassen künftig 27 Schüler haben und die 7. bis 10. sogar nur 25. Diese Differenz bildet ab, dass die Gymnasien nach Klasse 6 stets mehrere Hundert Kinder abschulen. Ferner sollen die Lehrer an Grund- und Stadtteilschulen statt mit Gehaltsstufe A12 mit A13 in den Beruf einsteigen, das wird bis 2023 in drei Schritten umgesetzt.

Kritik kommt von der Linken. Nur um eine nötige Strukturdebatte aus dem Wahlkampf zu halten, werden die Gymnasien „aus rein politischem Kalkül bedient“, sagt Schulpolitikerin Sabine Boeddinghaus. Auch werde Geld der nächsten Regierung verplant. Kleinere Klassen an Gymnasien seien vertretbar, wenn diese sich an Integration und Inklusion beteiligten. Doch dies leisteten „allein die Stadtteilschulen“. Kaija Kutter