das medienhaus an der
friedrichstraße

Kann die taz den richtigen Ton treffen?

Der Osten hat Konjunktur in diesen Wochen. Es ist keineswegs nur die taz, die genauer hinschaut als sonst. Auch andere Medien haben KollegInnen ausgesandt und viele hier vor Ort, in Sachsen, freut das. Es wurde Zeit – das ist der Tenor. Andere sehen darin nur ein Strohfeuer: Nach den Wahlen werde es wieder sein wie vorher – außer wenn es um Nazis geht interessiert sich keiner für das, was hier passiert. Das ist ihr Vorwurf. Wir hoffen, dass das nicht geschieht – und dass unsere sieben Wochen in Dresden dazu etwas beitragen.

Wir versuchen zu verstehen, warum jetzt – 30 Jahre später – die Folgen des Endes der DDR noch stärker an die Oberfläche treten, noch maßgeblicher für die politischen Verhältnisse zu werden scheinen, als es zwischenzeitlich der Fall war. Podien und Konferenzen beschäftigen sich mit der Frage, wie fair über den Osten berichtet wird – die Berichterstattung wird so selbst zum Thema. Andere Zeitungen melden sich bei der taz Ost und wollen von uns erfahren, wie wir versuchen, dem gerecht zu werden. Auch das zeigt: Wir sind hier am richtigen Ort.

Für wen schreibt ihr eigentlich? Das wollte zum Beispiel das Medium Magazin, ein Branchenblatt, in dieser Woche von der taz Ost wissen. Wird der Osten den westdeutschen LeserInnen erklärt? Oder entstehen in der Dresdner Redaktion Texte, die sich an eine womöglich noch zu erschließende LeserInnenschaft im Osten richten? Kann die taz – historisch fraglos eine West-Zeitung, auch wenn seit Langem viele Menschen bei ihr arbeiten, die im Osten sozialisiert wurden – dafür den richtigen Ton treffen?

Wir wollen es wenigstens versuchen. Denn wir treffen in diesem Bundesland viele Menschen, die einen alternativen Blick auf die Welt haben und schätzen, wenn ein Medium diesen teilt. Klimaschutz, rechte Umtriebe im Fußball, Grundrechte, Subkultur – das sind nur einige der Themen, denen die taz traditionell große Aufmerksamkeit widmet – und die auch unabhängig von der Wahl hier in Sachsen eine große Rolle spielen und spielen werden.

Christian Jakob