inklusion im sport (V)

Klare Ansprache ist am wichtigsten

Tennis im Dunkeln, Eishockey im Sitzen, Tanzen ohne Beine: Ein Handicap hindert Athlet*innen nicht, Leistung zu bringen. Hürden gibt es oft nur in den Köpfen. Wir stellen Sportler*innen aus dem Norden vor

Timo Hampel ist ein Tausendsasa im Sport: Er spielt Fußball – auch als Schiedsrichter –, Handball, Hockey, Basketball, er klettert und macht Akrobatik, spielte Turniere im Tennisdoppel mit seiner Schwester und geht gerne ins Fitnessstudio. Dabei ist ihm egal, ob er sich in seiner Freizeit, während der Arbeit oder bei dem vom Hausarzt verordneten Reha-Sport verausgabt. „Der Sport kommt einfach aus mir heraus“, sagt er.

Der 22-jährige Hamburger hat das Down-Syndrom und ist Teil des Projekts „Gemeinsam mehr bewegen“ im Bereich Sport und Inklusion der Stiftung Alsterdorf in Hamburg. Hampel arbeitet 20 Stunden in der Woche bei der Stiftung als Übungsleiterassistent, nebenbei holt er in der Universität Hamburg seinen Schulabschluss nach.

Die Übungsleiterassistenten lernen, wie sie die Leistungen der Sportler*innen mit Behinderung verbessern können und bringen den Teilnehmenden bei, fair im Sport miteinander umzugehen. Hampel übernimmt dabei auch organisatorische Aufgaben: Manchmal denkt er sich selbst Übungen aus und arbeitet eng mit den Betreuer*innen zusammen.

Das Wichtigste bei den Sportübungen für Menschen mit Behinderung ist für Hampel die klare Ansprache. „Ich muss aufpassen, dass jeder versteht, was ich als Übungsleiterassistent von den Menschen will“, sagt er. Im Fußball ist er außerdem als Mannschaftskapitän ausgebildet worden. Der Kapitän oder die Kapitänin agiert während der Spiele als Vermittler*in zwischen der Mannschaft und dem oder der Trainer*in – ganz egal in welcher Sportart. Fortbildungen dieser Art sind kostenlos und auf freiwilliger Basis, je nachdem, wie man sich in das Projekt Sport und Inklusion einbringen möchte.

Die Fortbildungen, die Hampel absolviert hat, bietet das Projekt „Blickwinkel“ der Stiftung Alsterdorf in leichter Sprache für Menschen mit geistiger Behinderung an. Laut der Projektverantwortlichen von Blickwinkel fehlt es beim Thema Inklusion vielerorts an Kompetenz. Um das zu ändern, werden im Projekt Sportlots*innen ausgebildet, die im Raum Hamburg in Schulen und anderen öffentlichen Einrichtungen werben und aufklären.

Hampels Woche ist immer vollgepackt mit Terminen, sagt er. Wenn er nicht auf der Arbeit ist, trainiert er beim Logopäden seine Aussprache, die bei Menschen mit Down-Syndrom eingeschränkt ist. Hampel hat ein Ziel: Er möchte gerne zur Polizei, hat sogar schon ein Praktikum in Hamburg gemacht. „Ich wurde dort für meine Sportlichkeit gelobt“, sagt er. „Als Sportler bin ich fair, egal, ob ich gewinne oder verliere. Wenn ich Spaß habe, ist alles gut.“ Das helfe ihm womöglich auch während seiner Ausbildung zum Polizisten.

Hampel lebt im Hamburger Stadtteil Altona in einer eigenen Wohnung. Für ihn ist die Au­tarkie selbstverständlich und wichtig. In betreuten Wohnanlagen zu leben oder in einer Behindertenwerkstatt zu arbeiten, ist für Hampel keine Option. „Da kannst du perspektivisch nicht viel erreichen“, sagt er. Timo ist überzeugt, dass Menschen wie er besondere empathische Fähigkeiten haben, die Menschen ohne eine Behinderung nicht haben und die seiner Meinung nach in Behindertenwerkstätten nicht ausreichend zur Geltung kommen. Und er hat recht: In Studien wurde beispielsweise nachgewiesen, dass Menschen mit Down-Syndrom besondere Stärken im sozialen Miteinander haben.