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Der Wald wird nationales Gipfelthema

Bundesagrarministerin Klöckner kündigt eine große Krisenkonferenz an. Grüne und Umweltverbände fordern eine Milliarde Euro zur Rettung der dürregeplagten Wälder

Das Neue

Die großflächigen Waldschäden beschäftigen nun endgültig die Politik. Die Ankündigung von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU), im September einen Krisengipfel zu planen, stieß auf breites Echo. Klöckner traf sich am Donnerstag mit den für die Forsten zuständigen Unionskollegen aus den Ländern im sächsischen Moritzburg. Die Minister übergaben eine „Moritzburger Erklärung“, sie fordern darin einen Masterplan für den Wald und Mittel in Höhe von 800 Millionen Euro für die nächsten vier Jahre.

Der Kontext

Laut Waldbesitzern und Forstexperten werden bundesweit derzeit massive Waldschäden in einem bisher unbekannten Ausmaß sichtbar. In der vergangenen Woche sprach der BUND bereits von einem „Waldsterben 2.0“ und verglich die Lage mit den 80er Jahren, als vor allem Nadelbaumbestände im sauren Regen kollabierten. Die Bilder von kahlen Stämmen sind heute ähnlich, Haupt­ursache ist aber der Umweltstress durch die seit vergangenem Jahr anhaltende extreme Trockenheit. Diese setzt allen Baumarten zu und macht sie anfälliger für Schädlinge. Dazu kommen Waldbrände und Stürme. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium starben seit vergangenem Jahr bereits über 100.000 Hektar Wald ab, das ist eine Fläche größer als das Land Berlin.

Die Reaktionen

Der Staatssekretär im SPD-geführten Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, kündigte eine Überarbeitung der deutschen Waldstrategie an. Der Klimawandel mache es notwendig, auf widerstandsfähige Mischwälder zu setzen, sagte er dem Tagesspiegel. Die Fraktionschefin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, forderte in der Rheinischen Post eine „Urwaldoffensive“. „Fünf Prozent der Waldfläche wollen wir der Natur überlassen, sodass dort Natur wieder Natur sein kann.“ Von der Bundesregierung forderte sie die Einrichtung eines „Waldzukunftsfonds“, um den nötigen Waldumbau in den kommenden zehn Jahren mit einer Milliarde Euro zu finanzieren. Der BUND sprach sich am Donnerstag in Berlin für ein „Waldumbauprogramm“ zur Schaffung naturnaher Laubmischwälder in Höhe von mindestens einer Milliarde Euro sowie ein Hilfsprogramm für private Waldbesitzer über weitere 500 Millionen Euro aus. Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger forderte außerdem deutlich mehr Klimaschutz. Die Klimakrise sei die eigentliche Ursache für das Waldsterben.

Die Konsequenz

Bei dem für September geplanten „nationalen Waldgipfel“ soll es Klöckner zufolge sowohl um Hilfsprogramme zur Wiederaufforstung abgestorbener Waldflächen als auch um eine langfristige Anpassung der Baumbestände an den Klimawandel gehen. In den Details steckt dabei noch einiger politischer Konfliktstoff. Geht es um den Bestand des Waldes vorrangig als CO2-Speicher und damit um Klimaschutz? Oder geht es in erster Linie um den Schutz der Waldbesitzer, also der Waldwirtschaft?

Deutschland ist etwa zu einem Drittel bewaldet, gut die Hälfte der Fläche befindet sich in Privateigentum. Die Arbeitsgemeinschaft deutscher Waldbesitzerverbände forderte bereits kurzfristige Finanzhilfen des Bundes sowie ein gesamtgesellschaftlichen „Pakt für den Wald“. Notwendig sei nun ein „schnelles, unbürokratisches Bundesprogramm zur Wiederbewaldung und Erstaufforstung“, sagte Verbandspräsident Hans-Georg von der Marwitz. Er ist CDU-Abgeordneter. Jörn Kabisch

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