heute in hamburg

„Kippen verseuchen das Grundwasser“

Clean-up-Aktion „Zigaretten­kippen“, organisiert von Zero Waste Hamburg und Let‘s face the Waste, Neuer Kamp 31, 18 Uhr

Interview Julika Kott

taz: Wieso sind Zigarettenkippen besonders schädlich?

Katrin Kilianski: Zigarettenfilter bestehen aus Zelluloseacetat und sind biologisch nicht abbaubar. Hinzu kommt, dass sich durch das Rauchen im Filter eine Vielzahl an toxischen Stoffen ablagert, etwa Nikotin, Teer, Blei und etliche Pestizide. Diese Stoffe lösen sich anschließend im Verwitterungsprozess und gelangen auf diese Weise in die Abwässer. So verseucht eine Kippe bis zu 200 Liter Grundwasser. Dieser Umwelt-Aspekt ist vielen nicht bewusst und die Kippen landen ganz oft neben dem Mülleimer.

Was bringt eine Kippen-Clean-up-Aktion? Die Ursachen werden so nicht bekämpft.

Absolut richtig, damit doktern wir an den Symptomen. Parallel erarbeiten wir jedoch auch echte Lösungen, zusammen mit der Stadtreinigung und der Rindermarkthalle. Erst mal möchten wir aber für dieses Problem Aufmerksamkeit generieren: Bei der letzten Clean-up-Aktion haben uns Menschen angesprochen und gefragt, warum wir das machen.

Flugscham, Fleischscham: Gibt es nun auch eine Rauchscham?

Das ist ein guter Gedanke: Wenn sich neben finanziellen Strafen auch eine Scham entwickelt. Diese liegt aber in der Hand der öffentlichen Wahrnehmung. Es muss also darüber informiert werden, wie schädlich Filter sind, damit sich diese Scham überhaupt entwickelt. Sie kann ein Hebel sein um zu zeigen, dass es uncool ist, Zigarettenstummel auf den Boden zu werfen.

Gehört Rauchen verboten?

Foto: privat

Katrin Kilianski, 32, ist die Gründerin von Let’s Face the Waste. Sie schafft Aufmerksamkeit für Lebensmittelverschwendung und Müllproduktion.

Verbote bewirken eher das Gegenteil von dem, was man eigentlich möchte. Und zwar, dass Menschen sich dafür interessieren und ihr Verhalten von alleine ändern. Jedoch lösen Verwarn- und Bußgelder für das „Kippenschnippen“, wie es sie in Hamburg bereits gibt, ein gutes Signal aus. In Hamburg achten die Waste Watchers der Stadtreinigung darauf, dass keiner Zigarettenkippen in die Umwelt wirft – oder es gibt Strafe.

Sind biologisch abbaubare Filter besser?

Wenn diese Filter analog zu Verpackungen aus biologisch abbaubaren Plastik sind, dann lösen sie sich nur unter Laborbedingungen richtig auf. Diese Bedingungen kann man auf Kompostieranlagen nicht herstellen und schon gar nicht, wenn sie lose in der Umwelt liegen. Außerdem sammeln sich im Filter trotzdem die Giftstoffe – das ist neben dem Müll der entscheidende Punkt.