Deutsche Wohnen ausgebootet

Berlin kommt Investoren zuvor und kauft 670 Wohnungen

Von Erik Peter

Die landeseigene Berliner Wohnungsbaugesellschaft Gewobag übernimmt 670 Wohnungen auf dem Prachtboulevard Karl-Marx-Allee. Wie der Senat mitteilte, sei der Vertrag für den Erwerb dreier Wohnblöcke am Freitag beurkundet worden. Es ist zugleich das Ende der Bemühungen des privaten Vermieters Deutsche Wohnen, die Häuser selbst zu übernehmen.

Im vergangenen November war bekannt geworden, dass die Deutsche Wohnen vier Blöcke gekauft hatte. Dies hatte bei der betroffenen Mieterschaft sowie der Landespolitik für Aufregung gesorgt. Der kleinste Block mit 80 Wohnungen, als Einziger in einem Milieuschutzgebiet gelegen, konnte bereits im vergangenen Jahr über das Vorkaufsrecht in das Eigentum einer Wohnungsbaugesellschaft überführt worden. Gegen den Verkauf der drei anderen Blöcke hatte der Senat eine einstweilige Verfügung erwirkt. Gleichzeitig hatte er ein Modell erarbeitet, wie MieterInnen ihr individuelles Vorkaufsrecht nutzen können – um die Wohnungen dann an eine Wohnungsbaugesellschaft weiterzugeben. In zwei von drei Blöcken hatte die Gewobag so die Mehrheit der Eigentumsanteile erworben. Ohne Entscheidungshoheit hatte die Deutsche Wohnen dann ihr Interesse an dem Kauf aufgegeben; der Weg für einen Gesamterwerb des Ensembles war frei.

„Unser Ziel, in die kommunale Hand zurückzufallen, ist damit erreicht“, sagte Norbert Bogedein, Sprecher des Mieterbeirats der Karl-Marx-Allee, der taz. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte, es sei seine feste Absicht, „wieder mehr Kontrolle über den Wohnungsmarkt“ zu erlangen.

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