Das war

„Ist Luisa da?“ jetzt verboten

Party! Volle Dröhnung aufputschende Musik. Hormone in Aufruhr. Eben hopste dieser smarte Typ noch betont auffällig neben ihr, bot dann einen Drink an – und nun wird sie ihn nicht mehr los. Er wirkt zunehmend unheimlich, macht Angst.

Wenn Frauen sich derart verunsichert von jemandem bedrängt fühlen, können sie seit 2017 in etwa 30 Bremer Kneipen, Bars, Cafés und Discos mit der Frage „Ist Luisa da?“ diskret um Hilfe bitten. Das geschulte Personal wird eingreifen, etwa ein Taxi rufen oder an einem ruhigen Ort das weitere Vorgehen besprechen.

Mit Plakaten, Aufklebern und Flyern wiesen die Lokale auf ihre Teilnahme an dem Gewalt-Präventionsprojekt hin, das der Frauennotruf Bremen initiiert, koordiniert und betreut hat. Jetzt machte er einen Rückzieher und sorgt für Irritationen im Bremer Nachtleben.

In einem Brief an die Unterstützer auf den Partymeilen heißt es, dem „Luisa“-Projekt drohe ein Verbot. Alle Werbematerialien seien zu entfernen. „Wir sind gerade dabei, das Projekt umzustrukturieren“, heißt es in dem Schreiben des Frauennotrufs. „Wir wurden vom Frauennotruf Münster auf dem Rechtsweg dazu angewiesen, das Projekt, so wie es derzeit in Bremen besteht, aufgrund einer Markenrechtsverletzung vom Markt zu nehmen.“

Das bestätigt Gerlinde Gröger, Leiterin der Münsteraner Organisation. Diese besitze die Rechte an Konzept, Aussagen und Design für „Ist Luisa hier?“ und vergebe dafür Lizenzen. Über 50 Städte hätten eine solche seit 2016 erworben.

Die Bremer Kolleginnen, sagt Gröger, würden mit „Ist Luisa da?“ – also mit „da“ statt „hier“ – vom Corporate Design abweichen, aber die Inhalte nutzen, ohne den dafür notwendigen Vertrag unterschrieben und die Bearbeitungsgebühr von 100 Euro bezahlt zu haben. Trotzdem würde binnen der nächsten zwei, drei Wochen an einer „guten Klärung“ gearbeitet.

Die Gründe, warum Bremen die Vorgaben aus Münster nicht übernommen hat, will der Frauennotruf nicht mitteilen. Fraglich ist, warum kein eigener Weg beschritten wurde wie etwa in Tübingen.

Dort wollte der in Sachen Antidiskriminierung aktive Verein Adis ebenfalls den „Luisa“-Vertrag nicht unterschreiben, „weil darin die Zusammenarbeit mit gemischtgeschlechtlichen Gruppen verboten wird“, erklärt Borg­hild Strähle von Adis.

Gröger bestätigt: „Luisa ist nur für Mädchen und Frauen.“ Daher ist bei sexuellen, aber auch rassistischen Belästigungen in Tübingen nun zu hören: „Arbeitet Uli heute?“ Jens Fischer