Lars Penning
Filme aus dem Archiv –frisch gesichtet

Das Herz ist der Mittler zwischen Hirn und Hand.“ Der Schluss von „Metropolis“, der zögerliche Handschlag zwischen Kapital (Alfred Abel) und Arbeit (Heinrich George) – das war eine typische Idee der Drehbuchautorin Thea von Harbou, damals Ehefrau des UFA-Starregisseurs Fritz Lang. Bestenfalls lassen sich ihre Thesen naiv nennen, im Licht ihres späteren Engagements für das NS-Regime muss man eher sagen: reaktionär. Gleichwohl waren ihre Drehbücher geschickt geschrieben, unzweifelhaft besaß von Harbou Talent für publikumswirksame Szenen von hohem emotionalem Gehalt. Die Filme, die sie für die Größen des deutschen Stummfilms, für Fritz Lang und F. W. Murnau, verfasste, sind gut dokumentiert, deutlich unbekannter ist ihre umfangreiche Arbeit aus der Zeit des Dritten Reichs, darunter auch zwei Regiearbeiten von 1934. Aus Anlass ihres 65. Todestages zeigt das Filmmuseum Potsdam Beispiele aus beiden Phasen ihrer Karriere, neben dem unvermeidlichen „Metropolis“ (1927) auch ihre Regiearbeit „Elisabeth und der Narr“, eine wilde Kolportage- und Kriminalgeschichte um eine junge Frau, die einem Nonnenorden beitritt, nachdem ihr Vater von „einem bösartigen Dorftrottel“ (wie es im Zensurbescheid heißt) erschossen wurde (13. 7., 17 resp. 19 Uhr, Filmmuseum Potsdam).

Bei all den verschiedenen Themen seiner Filme bewegt den französischen Regisseur Olivier Assayas ein Motiv immer wieder: das Verschwinden des Vertrauten und der Aufbruch in eine ungewisse Zukunft. „Zwischen den Zeilen“ spielt im Verlagsmilieu, wo niemand irgendeine Idee hat, wie man auf die Digitalisierung reagieren soll. Soll man statt hochgeistiger Literatur jetzt lieber gesammelte Tweets verlegen? Zumindest die jungen Leute haben hier eine klare Antwort auf die Veränderungen: Die Digitalisierung ist die Zukunft der Arbeitswelt, und wenn man sie nicht selbst mitgestaltet, wird sie über einen hinwegrollen. Doch die Hauptfiguren, die Intellektuellen jenseits der Vierzig, sind unsicher, Verlagsleiter Alain (Guillaume Canet) ebenso wie der leicht verpeilte Autor Léonard (Vincent Macaigne). Assayas kleidet die umfassende Digitaldiskussion in eine Dialogkomödie um zwei Paare und ihre erotischen Verwicklungen: Der Ton ist leicht, das Thema ernst (OmU, 11.–7. 7., jew. 18 Uhr, Tilsiter Lichtspiele).

Dieser Film ist der Grund, warum mein Auto gern mit Esso-Benzin fährt: Jean-Luc Godards romantischer Abenteuerfilm „Pierrot le fou“ (1965) hat Jean-Paul Belmondo und Anna Karina, Scope und Farbe, viele philosophische Gedanken und Sportwagen mit dem Tiger im Tank (OmeU, 14. 7., 20 Uhr, Arsenal 2).