Das war auch

Moschee geschändet

Die Täter hätten Korane zerschnit-ten, die Schnipsel im WC verteilt und „ihr Geschäft darauf verrichtet“

Mehrere zerstörte Waschbecken, abgebrochene Seifenspender, herausgerissene Armaturen und zerrissene Koran-Seiten, die in einer Toilette verteilt wurden: Unbekannte habe die Ditib-Moschee in der Friedrichstraße in Schleswig geschändet. Der Vorfall ereignete sich bereits am Mittwochmorgen, wie die Polizei am Freitag mitteilte. Die Hintergründe der Tat sind bislang offen.

Muslime verehren den Koran, er gilt als Gottes Wort. Für den Umgang damit gibt es deshalb Regeln, einige Muslime fassen den Koran beispielsweise nur mit Handschuhen an.

Laut Polizei haben der oder die Täter in der Moschee auch „Schmierereien“ hinterlassen. Ein Polizeisprecher erklärte der taz am Freitag, es sei ein Zettel gefunden worden. Zum Inhalt wollte er sich nicht äußern. Das Kommissariat 5 der Bezirkskriminalinspektion Flensburg – also der Staatsschutz – hat die Ermittlungen aufgenommen und sucht nach Zeugen.

Laut den Schleswiger Nachrichten soll auf dem Zettel der Prophet Mohammed beleidigt worden sein. Vertreter der Moschee sprachen gegenüber der Zeitung von einer „geplanten Tat“. Die Korane seien fein säuberlich zerschnitten, nicht bloß zerrissen worden. Die Schnipsel seien im WC verteilt worden, und jemand habe obendrauf „sein Geschäft verrichtet“. Die Toilette stehe tagsüber immer offen, man sei ein offener Gebetsverein, erklärte ein Gemeindevertreter. Laut der Zeitung schließt die Polizei auch einen Konflikt innerhalb der muslimischen Gemeinde in Schleswig als Tat­hintergrund nicht aus. Ein ähnlicher Vorfall im vergangenen Sommer würde dazu passen. Die Gemeindevertreter wiesen das zurück und erklärten, sie glaubten nicht, dass der Täter aus Schleswig komme.

In Bremen hatte es Mitte Juni einen ähnlichen Vorfall gegeben. Unbekannt hatten rund 50 zerfetzte Korane in eine Toilette der Rahma-Moschee in der Bahnhofsvorstadt gestopft. Die Tat ereignete sich ebenfalls zu den regulären Öffnungszeiten des Gotteshauses. Vertreter der Politik hatten den Angriff auf die Bremer Moschee aufs Schärfste verurteilt. Der damalige Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) versprach, alles für die Aufklärung zu tun.

Der Sprecher der Bremer Staatsanwaltschaft, Frank Passade, erklärte am Freitag, die Ermittlungen zu dem Fall in der Rahma-Moschee liefen noch, derzeit gebe es keinen neuen Stand.

Jean-Philipp Baeck