Jörn Kabisch Radikale Biere

Auf postkolonialem Terroir: India Pale Ale

Foto: privat

Das IPA ist inzwischen ein so verbreiteter Bierstil, dass sich geografische Eigenheiten herausbilden. In den USA gibt es längst East-Coast- und West-Coast-IPAs, die sich vor allem in der Hopfenzugabe unterscheiden.

Nun ist ein IPA ja an sich schon ein stark gehopftes Getränk. Historisch geht es auf das Bier zurück, das für die britischen Kolonialtruppen in Indien gebraut wurde: India Pale Ale war ein helles obergäriges Ale, das stärker eingebraut und mit mehr Hopfen versehen wurde, damit es die lange Seefahrt überstand. In Indien sollte es dann wieder verdünnt werden, was die Soldaten Ihrer Majestät aber tunlichst bleiben ließen.

An der US-Westküste wird das Bier geradezu mit Hopfen gestopft. Man kann das damit erklären, dass die Region sehr nah an den Hopfenanbaugebieten der USA liegt. Das West-Coast-IPA erstickt deswegen viel zu oft in bitteren, floralen und fruchtigen Noten. Ich finde das oft flach und trinke so etwas höchstens als Einschlafhilfe. Hopfen ist ein Cannabis-Verwandter, und das spüre ich bei so einem Bier nach dem zweiten Schluck.

Dann gibt es noch NEIPA, das steht für New England IPA. Es sind eher fruchtige, trübe und nicht so hochprozentige Biere, deren Erfolg ich mir vor allem damit erkläre, dass sie die Craft-Beer-Szene New Yorks erobert haben. Ich war eben dort, und in den Bierbars waren neben städtischen vor allem Brauereien aus Maine, Vermont, Massachusetts oder sogar Kanada vertreten.

Eine deutsche Interpretation gibt es auch, bisher vor allem in der Form von Bavarian IPA. Es sind oft Fusionen eines süßen Hellen mit den amerikanischen Aromahopfen, meist sehr süffig. Ich könnte mir gut auch ein Cologne IPA oder Frankonian IPA vorstellen – aber auf solche Bezeichnungen sind die hiesigen Brauer bisher noch nicht gekommen.

Brewer’s Tribute, India Pale Ale, 6,1 % vol.

Diese Vorrede ist wichtig, weil ich gerade auf ein anderes sehr deutsches IPA gestoßen bin. Es stammt aus Berlin und wird von einer relativ jungen Brauerei namens Brewer’s Tribute gemacht. Dahinter stecken drei studierte Brauer, und dass sie das Handwerk draufhaben, merkt man dem Bier auch an. Nichts daran scheint zufällig, weder die weiche Kohlensäure noch die Cremigkeit oder das für ein IPA doch etwas untypische Dunkelbraun. Der robuste, malzige Körper ist eine wunderbare Grundlage für einen Extraschuss Hopfen, der das Bier ins Orangenmarmeladige zieht, worauf ein ellenlanger Abgang folgt.

Mich erinnert das stark an ein Düsseldorfer Bier. India Pale Ale ist auf dem Etikett zu lesen, aber eigentlich müsste Alt IPA darauf stehen.