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Meistgesuchter ETA-Terrorist in den Alpen gefasst

Die französische Polizei verhaftet mit Josu Ternera einen der zentralen Köpfe der baskischen Separatisten. In Spanien löst die Festnahme Jubel aus – und Auslieferungswünsche

Das Neue

Knapp 17 Jahre war Josu Ternera auf der Flucht. Am frühen Donnerstagmorgen nun wurde der führende Kopf der baskischen Separatistenorganisation ETA im ostfranzösischen Alpenort Sallanches im Umland von Chamonix verhaftet. Das teilte das spanische Innenministerium mit. Ternera lebte unter falscher Identität in Frankreich. Die Operation wurde von der französischen Polizei und der spanischen Guardia Civil gemeinsam vorbereitet und durchgeführt. Laut baskischer Presse wurde Ternera festgenommen, als er auf dem Weg ins Krankenhaus war. Er soll an Krebs erkrankt sein.

Der Kontext

Der 68-jährige Josu Ternera, der mit bürgerlichem Namen José Antonio Urrutikoetxea Bengoetxea heißt, war das meistgesuchte ETA-Mitglied. 1990 wurde er bereits zu zehn Jahren Haft verurteilt. Ternera hatte an mehreren Überfällen teilgenommen, mit denen die ETA Geld, Waffen und Sprengstoff erbeutete. Seit 1959 versuchte die Organisation, deren voller Name Euskadi Ta Askatasuna (baskisch für: Baskenland und Freiheit) heißt, mit Waffengewalt einen eigenen Staat im Norden Spaniens und im Südwesten Frankreichs durchzusetzen. Erst im Jahr 2011 erklärte die ETA ihre Strategie des Terrors für beendet.

Ternera, der von 1998 bis 2002 dem baskischen Parlament angehörte, tauchte 2002 unter. Die Justiz ermittelte erneut gegen ihn – dieses Mal wegen eines Anschlags auf eine Kaserne mit zwölf Toten. Von Norwegen aus half er, den endgültigen Waffenstillstand zwischen ETA und spanischem Staat vorzubereiten. Es war Ternera höchstpersönlich, der am 3. Mai 2018 per Videobotschaft bekannt gab, dass die ETA „ihre Strukturen komplett auflöst“. Es war das Ende von mehr als 50 Jahren bewaffneten Kampfes für die Unabhängigkeit des Baskenlandes, der über 800 Tote gefordert hatte. Zur Zeit der Auflösung war Ternera das ranghöchste ETA-Mitglied auf freiem Fuß.

Die Reaktionen

Spaniens amtierender Regierungschef, der Sozialist Pedro Sánchez, lobte die Guardia Civil für ihre Arbeit und schickte an die Familien der ETA-Opfer per Twitter-Nachricht „eine Umarmung“. Der konservative Oppositionschef Pablo Casado vom Partido Popular bezeichnete die „Festnahme des blutrünstigen Josu Ternera“ als eine „großartige Nachricht“. Die Verbände der Opfer der ETA verlangen, dass Josu Ternera, dem nie eine direkte Beteiligung an Anschlägen mit Todesopfern nachgewiesen werden konnte, wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ belangt wird. Spanien müsse deshalb die sofortige Auslieferung beantragen.

Die Konsequenz

Selbst wenn die französische Justiz dem nachkommen sollte, wird es wohl Jahre dauern, bevor Ternera einen spanischen Richter zu Gesicht bekommt. Erst einmal muss er eine achtjährige Haftstrafe in Frankreich verbüßen – sofern er nicht zunächst Revision gegen das Urteil einlegt. Er wurde in Paris in Abwesenheit wegen seiner Führungsposition innerhalb der ETA verurteilt.

Reiner Wandler, Madrid