petition der woche

Der Wolf soll in den USA wieder zum Freiwild werden

Anlass derPetition Die Trump-Regierung will den Artenschutz für Wölfe aufheben.

Das wollen die Initiatoren Dass sich der Tierbestand natürlich regelt.

Das wollen sie nicht In die Zeit der Fallensteller zurück.

Wenn es um Wölfe geht, sind sich US-Amerikaner spinnefeind. Für die einen – darunter Städter, Umweltschützer und auffallend viele Frauen – sind Wölfe bewundernswert intelligente und sozial aufgestellte Kreaturen. Die anderen – darunter Viehhalter, Jäger und Anhänger „männlicher“ Sportarten – beschreiben sie als gerissene und gefährliche Schädlinge. Die Fronten sind so verhärtet wie bei anderen Themen von Schusswaffen bis Abtreibung.

In diesem Frühling ist der Wolfskrieg erneut offen ausgebrochen. Präsident Donald Trump hatte den Jägern an seiner Basis schon lange mehr Freiheit versprochen. Dann konkretisierte sein Innenminister David Bernhardt die Sache. Er erklärte: „Der graue Wolf braucht keinen Artenschutz mehr.“ In wenigen Wochen will er „Canis lupus“ von der Liste der gefährdeten und bedrohten Tierarten nehmen, auf der dieser seit 1978 steht, als er in den USA unmittelbar vom Aussterben bedroht war. Noch bis zum 14. Mai läuft ein Beteiligungsverfahren, danach ist der Wolf wieder Freiwild. Tier- und Umweltschützer halten das für ein „Todesurteil“, sie kämpfen dagegen, auch mit einer Petition auf thepetitionsite.com.

„Wir sind auf dem Weg zurück zu den Zeiten, als Fallensteller Prämien für erlegte Wölfe bekamen“, sagt Collette Adkins vom „Center for Biological Diversity“. Die 44-Jährige ist „Carnivore Conservation Director“ der Organisation – Raubtierschutzdirektorin. Adkins hofft, dass die Bürgerproteste die Regierung zur Kehrtwende bringen werden. Aber ihre Organisation ist bereit, auch noch vor Gericht zu ziehen. Sie argumentiert, dass die Wölfe noch mehr Zeit brauchen, weil ihr Überleben noch lange nicht gesichert sei. In manchen traditionellen Wolfsgegenden wie in den Adiron­dacks im Norden des Bundesstaats New Yorks sind die Wölfe noch gar nicht wiederaufgetaucht, in anderen, wie in Kalifornien, ist erst kürzlich das erste Rudel nach jahrzehntelanger Abwesenheit gesichtet worden. „Seit ihrer Wiedereinführung haben die Wölfe nur 10 Prozent ihres ursprünglichen Habitats zurückerobert“, so Adkins.

Die Wölfe sind ein Opfer ihrer Wiederauferstehung. In den 1990er Jahren wurden die ersten Tiere aus Kanada im Yellowstone Park ausgesetzt, zwei Jahrzehnte später zogen rund 3.000 wieder durch die USA. Mit ihnen kam eine natürliche Kontrolle des Bestands von Rehen, Elchen und anderem Wild zurück. Die von zu vielen Pflanzenfressern erschöpfte Vegetation erholte sich, stellenweise kehrten sogar Wasserläufe und Feuchtgebiete zu alten Konturen zurück. Doch immer wieder reißen die Wölfe auch Lämmer und Kälber. Und obwohl es Entschädigungen gibt, rufen die Rancher nach Rache. Die Jäger, die weniger Rehe vor die Flinte bekommen, heulen mit.

2011 erzielten die Wolfsgegner bereits einen Teilsieg. Damals dezentralisierte die Regierung Obama das „Wolfsmanagement“ in sechs Bundesstaaten. Seither ist zu bestimmten Zeiten in Idaho, Wyoming, Montana, Minnesota, Wisconsin und Michigan die Jagd auf den Wolf erlaubt, sogar mit Fallen und Gift. In manchen Gegenden war bereits zwei Jahre später ein Viertel der Wölfe erlegt.

Sollte die Trump-Regierung an der kompletten Aufhebung des Artenschutzes – außer in den Na­tio­nalparks – festhalten, droht dieses Schicksal ­allen Wölfen in den USA. Dorothea Hahn