american pie

Sie wollen alle dasselbe

Gestern fand in den USA der Equal Pay Day statt. Auch die US-Fußballerinnen kämpfen für faire Bezahlung – bislang äußerst erfolgreich

Der Equal Pay Day, der auf die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern aufmerksam machen soll, findet weltweit an verschiedenen Tagen statt. Das Datum errechnet sich danach, wie viel länger eine Frau arbeiten müsste, bis sie den Jahresverdienst eines Mannes ausgeglichen hätte. In Deutschland war der Equal Pay Day in diesem Jahr am 18. März terminiert, in den USA erst gestern, am 2. April – und bekam außergewöhnlich viel Aufmerksamkeit. Denn an diesem Tag verkündete das Unternehmen Luna, dass es die US-amerikanischen Fußballspielerinnen mit exakt 718.750 Dollar unterstützen wird.

Warum diese krumme Zahl? Um auf die ungerechte Bezahlung der Nationalteams aufmerksam zu machen. Die jährliche Prämie für 23 Spielerinnen, die für den National-Kader ausgewählt werden, ist exakt 31.250 Dollar niedriger als die für Nationalspieler. Um, so Becca Roux, die Chefin der Spielerinnen-Gewerkschaft, „ganz deutlich auf diese Ungleichheit aufmerksam zu machen“, schließt Luna nun mit der Spende an das Nationalteam zumindest in diesem Jahr die Lücke.

Das Unternehmen stellt Energieriegel und Nahrungsergänzungsmittel speziell für Frauen her und verspricht sich natürlich einen Imagegewinn. Der sollte garantiert sein, stehen die US-Fußballerinnen doch seit Jahren an der Spitze im Kampf gegen die ungleiche Bezahlung der Geschlechter. Auch haben sie die allerbesten Argumente auf ihrer Seite: Schließlich sind die US-Fußballerinnen die besten der Welt, die Männer dagegen nur zweit- oder drittklassig. Vier Mal gewannen die Frauen Olympiagold, dreimal wurden sie Weltmeisterinnen. Für die US-Männer steht als bestes Ergebnis immer noch ein dritter Platz von der WM 1930 zu Buche.

Wie kämpferisch die erfolgsverwöhnten Kickerinnen sind, zeigte sich 2015, als sie vor Gericht gingen, um zu verhindern, dass bei der WM in Kanada zum Teil auf Kunstrasen gespielt wurde. Ein Jahr später, vor den Olympischen Spielen, begann der Dauerclinch mit dem eigenen Verband. Wieder klagten die Nationalspielerinnen, diesmal ging es darum, dieselben Prämien wie die Männer zu bekommen. 2017 einigten sich die Gewerkschaft und der US-Verband auf neue, verbesserte Bedingungen.

Die nächste Eskalationsstufe wurde nun Anfang März gezündet: Pünktlich zum Internationalen Frauentag reichten 28 Nationalspielerinnen vor dem District Court in Los Angeles eine Klage gegen den amerikanischen Fußballverband wegen Geschlechterdiskriminierung ein. Sie fordern gleiche Arbeitsbedingungen und gleiche Bezahlung wie die Männer – und zwar rückwirkend zum 4. März 2015. In der Klage wird ausgerechnet, dass, würden das Männer- und das Frauen-Team zu jeweils 20 Freundschaftsspielen antreten und alle gewinnen, die Frauen nur 38 Prozent an Antritts- und Erfolgsprämien im Vergleich zu den Männern bekämen. Sollten die Klägerinnen Erfolg haben, könnten dem Verband Nachzahlungen in Millionenhöhe drohen. „Wir sind alle extrem stolz, das US-Trikot zu tragen“, verkündete Sturmstar Alex Morgan, „aber wir nehmen auch die Verantwortung ernst, die damit einhergeht. Für Gleichberechtigung im Sport zu kämpfen ist Teil dieser Verantwortung.“

Weil sie so viel erfolgreicher sind als die männliche Konkurrenz im eigenen Lande, wird der Kampf der US-Fußballerinnen um Gleichberechtigung traditionell von Fans und Presse positiv aufgenommen. Nun aber scheinen auch die Sponsoren umzudenken: Adidas hat vor wenigen Wochen angekündigt, sollte das US-Team bei der in Juni in Frankreich beginnenden WM den Titel verteidigen, an die eigenen Werbeträgerinnen genauso hohe Prämien auszahlen zu wollen wie an männliche WM-Gewinner, die bei ihnen unter Vertrag stehen.

Die US-Nationalspielerinnen hoffen, dass das Vorbild Luna Schule machen könnte. „Diese Spende zwingt auch andere dazu, in den Spiegel zu schauen – ob sie es wollen oder nicht“, erklärte die langjährige Nationalspielerin Megan Rapinoe. „Unser Verband und andere Unternehmen sind nun gezwungen sich zu fragen: Wo tragen wir Verantwortung und was können wir tun in diesem Kampf?“

Thomas Winkler