Anne Haeming
Der Wochenendkrimi

Die Berliner Wohnungsmisere ist Krimi genug, jetzt auch mit Toten

Die wenigen lohnenswerten Szenen in diesem Krimi sind die mit Brigitte Hobmeier (hinten) Foto: Hardy Spitz/ZDF

Mit einem ­Elektroroller düst der Immobilien­fuzzi Hans-Jochen Steuffers über die Sandfläche des Baugrundstücks, wirft die Beine in die Luft und ruft den Kaufinteressenten zu: „Welcome to Berlin-Hirschpark, to Börlin-Hörschpörk!“ Merke: Fabian Hinrichs kann man einfach irgendwo hinstellen und machen lassen. Herrlichster Quatsch, und damit leider einer der wenigen freudvollen Momente dieser anderthalb Fernsehstunden.

Auch wenn die Berliner Wohnungsmisere ja schon Krimi genug ist: Hier nun gibt es den „Tod im Haus“ und die Brüder „Schwartz & Schwartz“ ermitteln. Denn Steuffers Praktikantin ist nachts in einem seiner Rohbauten den Aufzugschacht runtergefallen. Zack, tot. Ihr Vater heuert den Detektiv Andi Schwartz (Devid Striesow, frisch aus dem Saarland-„Tatort“ importiert) an, der seinen Bruder Mads (Golo Euler) ins Boot holt, um herauszufinden, ob der menschelnd-kotzbrockige Investor Steuffers dahintersteckt. Geld können sie beide gebrauchen, der eine für Kitagebühren und Abendbrot, der andere für Frauen – salut Klischee. Was schon alles sagt darüber, was das ZDF seit Herbst unter dem Label „Ungleiches Brüderpaar“ in die Samstagabendkrimirunde schickt. Es ist nicht spannend, es ist nicht lustig, es ist einfach nur. Und nein, die Idee mit den Brüdern zieht einfach nicht. Alles, was Sie über den Inhalt wissen müssen, steht da oben.

Also müssen wir uns eben an den kleinen Dingen freuen. Gibt’s immerhin. Alle Szenen mit Brigitte Hobmeier als Mads’ Ex-Polizeikollegin, weil es eine wahre Freude ist, wie trocken sie diese Kommissarin spielt. Oder die geniale Platzierung von Fredrik Vahles Kinderlied „Das kleine Trampeltier“, das in Mads’ Familienkutsche läuft, als er mit dem überkandidelt angelegten Mordopferbruder herumfährt: „Kann man viel von lernen.“ Ja, auf diesem Niveau von Freu-Momenten bewegen wir uns. Um den Rest samt schlechter Nebenfiguren wie jenen Bruder oder die stereotype Zickengattin von Mads zu ertragen.

Es wundert ein wenig, da Autor Alexander Adolph (mit Eva Wehrum), der seit seiner „Hochstapler“-Doku vor 13 Jahren mit Stücken wie dem Von-Meuffels-Polizeiruf „Morgengrauen“ 2014 und dem „Tatort“ „Taxi nach Leipzig“ 2016 Phänomenales geschaffen hat.

Vielleicht sollten Sie dann doch lieber morgen das EM-Qualifikationsspiel auf RTL anschauen. Oder die München- „Tatort“-Wiederholung. Qualität wie diese lohnt sich auch beim zweiten Gucken.

„Schwartz & Schwartz – Der Tod im Haus“, Sa., 20.15 Uhr, ZDF