Leonie Gubela
Mitarbeiterin der Woche

Lilly Singh

Karikatur: Elias Hauck

In ihrer Kindheit habe sie sich immer vorgestellt, ein unsichtbares S auf der Brust zu tragen, hat Lilly Singh einmal gesagt. Ein kleiner Trick, der dabei helfen sollte, an sich selbst zu glauben. Und es sieht so aus, als hätte sie im Laufe ihres Lebens tatsächlich Superkräfte entwickelt. Weil anders fast gar nicht zu erklären ist, wie sie die gläserne Decke ihres künftigen Arbeitsplatzes, dem New Yorker Rockefeller Center, zum Zerbersten gebracht hat: Ab September ist Lilly Singh Moderatorin ihrer eigenen Late-Night-Show auf NBC. Damit ist sie eine von momentan drei Frauen (zum Vergleich:16 Männer), die das von sich behaupten können. Und überhaupt ist sie die Einzige mit Migrationsgeschichte.

Singh, Jahrgang 1988, wuchs in Toronto auf. Ihre Eltern stammen aus Punjab, Indien. Mit 22 erschuf Singh ihr Alter Ego Super­woman und begann in kurzen, aufwendig produzierten Clips auf YouTube, ihren Alltag zu parodieren. Dafür verkörperte sie immer wieder auch Familienmitglieder und spielte mit kulturellen Klischees. Mit Tausenden Videos erarbeitete sie sich eine riesige Fangemeinde, fing erfolgreich an zu singen, ging auf Comedytour, kreierte eine Modelinie, schrieb ein Selbsthilfebuch, drehte einen Dokumentarfilm und gründete eine Produktionsfirma.

Angesichts all dieser Errungenschaften ist es bemerkenswert, dass sie die eigene Late-Night-Show als größte Ankündigung ihrer Karriere bezeichnete. Sie erbt ihren Sendeplatz von Carson Daly, der mit seiner Show zuletzt im Schnitt 750.000 Menschen erreichte. Singhs populärste Videos werden im Netz dagegen etwa 30 Millionen Mal geklickt. Auf die Frage, wie „A Little Late with Lilly Singh“ denn aussehen werde, sagte sie, zu Gast bei Jimmy Fallon: „In etwa wie mein YouTube-Channel.“ Nur dass sie bald wohl mehr als drei MitarbeiterInnen haben werde. Auf YouTube fügte sie noch hinzu: „Eine indisch-kanadische Frau mit ihrer eigenen Talkshow? Ich wäre nicht da, wo ich jetzt bin, ohne diese Frauen vor mir.“ Dann dankt sie dem Sender NBC. Dabei sollten wohl eher die Programmdirektoren von NBC für immer zu schätzen wissen, dass sie da eine Frau gewonnen haben, die neben allen Qualifikationen noch 15 Millionen Fans mitbringt. Ein Publikum, das sie sich ohne die Hilfe irgendeines Senders selbst erschlossen hat. Denn an sich glauben kann sie auch allein.