Felix Lee über Nordkoreas Verhältnis zu China

Schachern ist nicht schlecht

Fünf Jahre lang hat es Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un geschafft, China, den offiziell einzigen Verbündeten seines Landes, zu ignorieren. Anders als sein Vater und Großvater wollte sich der junge Diktator nicht von Peking bevormunden lassen. Entsprechend groß war der Zorn der chinesischen Führung. China hat die UN-Sanktionen gegen Nordkorea deshalb schließlich mitgetragen – die schärfsten, die je gegen ein Land verhängt worden sind.

Jetzt sucht Kim ganz aktiv die Nähe zu Peking – und beweist der Welt so ein weiteres Mal sein strategisches Geschick. Denn Kim setzt mit seinem inzwischen vierten Peking-Besuch innerhalb eines Jahres nicht nur auf Rückendeckung durch die chinesische Führung, die er bei dem bevorstehenden zweiten Gipfel mit Trump gut gebrauchen kann. Mit der plötzlichen Wiederannäherung will er den USA zeigen: Hey, es gibt sehr wohl eine Alternative zu euch. Und die ist eben wieder China.

Zugute kommt Kim der Handelskonflikt, den die USA mit China derzeit mit erbitterten Mitteln ausfechten. Ob es bloß Zufall oder eben geschickt eingefädelt ist – das Timing könnte nicht besser sein.

Kims Besuch in Peking überschneidet sich mit den Beratungen zwischen den USA und China über eine Entschärfung ihres Handelskonflikts, die zur selben Zeit am Dienstag in der chinesischen Hauptstadt stattfinden.

Chinas Führung könnte in den Verhandlungen über einen möglichen Handelspakt mit den USA unter anderem auch die Nordkorea-Karte spielen und den Atomkonflikt in die Gespräche miteinbeziehen.

Trump hat sich tatsächlich schon bereit erklärt, China im Handelsstreit Zugeständnisse zu machen, sollte Peking auf eine Lösung im Korea-Konflikt hinarbeiten.

Es stimmt, Handelsstreit und Korea­konflikt sind zwei völlig unterschiedliche politische Felder – doch für die Welt ist dieses Schachern nicht die verwerflichste Option. Denn in beiden Konflikten hat sich nun gerade der Verhandlungsspielraum vergrößert.

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