Rainer Schäfer Radikale Weine

Silvaner mit Haltung

Foto: privat

Sie hätten sich auch „Generation Silvaner“ nennen können, sagt Thomas Schenk. Aber sie wählten „Ethos“ als Namen. Sie, das sind zwölf junge Winzerinnen und Winzer aus Franken, die verantwortungsvoll mit den natürlichen Ressourcen umgehen, aber auch soziale und gesellschaftliche Aufgaben wahrnehmen wollen. Thomas Schenk aus Randersacker ist einer von ihnen.

2014 formierte sich die Gruppe, die meisten Mitglieder sind um die 30 Jahre alt. Es ist ungewöhnlich, dass junge Winzer sich über die eigenen Belange hinaus engagieren in einer Szene, in der mancher versucht, über markige Sprüche und Äußerlichkeiten Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Der Kodex von Ethos füllt 26 Seiten: Die Liste der Selbstverpflichtungen reicht vom Schutz des Grundwassers über die CO2-neutrale Produktion in den Betrieben bis zum fairen Umgang mit Angestellten und Saisonarbeitern. Die viel beschworene Nachhaltigkeit soll mehr als eine Floskel sein: „Wir wollen offenlegen, wie wir arbeiten“, sagt Schenk.

Alle Weingüter orientieren sich an ökologischen Leitlinien. Im Keller wird konsequent auf die Hilfsmittel der chemischen Industrie verzichtet, die den Vorgang der Weinbereitung beschleunigen sollen – aber die Qualität und den Charakter des Weines beeinträchtigen. In den Weinbergen wird auf den Einsatz von Herbiziden verzichtet, obwohl das an den Steilhängen besonders zeit- und arbeitsaufwendig ist.

Schenk, der gerade 30 geworden ist, hat in Randersacker mit zwei anderen Ethos-Winzern die Bekämpfung des Traubenwicklers, eines weit verbreiteten Schädlings, übernommen – auf 200 Hektar Rebfläche und damit auch auf dem Gelände anderer Winzer, denn nur in großem Maßstab funktionieren die biologischen Methoden. So müssen dort keine Insektizide gespritzt werden, die Umwelt wird geschont. Es ist unbezahlte Mehrarbeit, von der viele Winzer profitieren. „Aber einer muss voran­gehen und mehr investieren“, sagt Schenk. „Das ist Ethos.“

Silvaner Handwerk 2017, 9,50 Euro; Bezug über www.weingut-schenk.de

Die Trauben für seinen Silvaner Handwerk wachsen in der „Steillage Sonnenstuhl“ auf Muschelkalk. Der Weißwein riecht nach Kräutern, Birne und Quitte, im Mund ist er kompakt und entfaltet Kraft und Substanz. Es ist ein fränkisch trockener Silvaner mit Haltung, der zu Ethos passt.

„Wir wollen Vorreiter sein für einen zukunftsweisenden Weinbau“, sagt Thomas Schenk. Den kann man am Weinglas unterstützen: Mit Genuss trinken und dabei Gutes tun, das gelingt nicht mit vielen Weinen.