Alke Wierth richtet ihr Fernsehprogramm nach den Straßensperrungen in Nordneukölln

Luxustoilettenwagen – auf meinem Parkplatz!

Heute ist es die Fête de la Musique. Vergangene Woche war es das ZDF, das für die Serie „Der Kriminalist“ mit Christian Berkel drehte. Und davor waren es vier Tage, die die Crew von „4 Blocks“ brauchte, um ein paar Szenen für die neue Staffel zu drehen.

Zumindest gefühlt sind die Straßen in meinem Nordneuköllner Kiez öfter gesperrt als frei befahr- und vor allem beparkbar. Es hängen dann, je nach Freundlichkeit des Veranstalters/der Film- oder TV-Produktionsfirma, meist zunächst Zettel an unseren Haustüren, auf denen angekündigt wird, dass „von Montag bis Donnerstag jeweils von 7 bis 24 Uhr“ für Dreharbeiten „folgende Straßenabschnitte gesperrt“ seien. Oft wird noch darauf hingewiesen, um was für eine bedeutungsvolle Fernsehserie/Filmproduktion/Veranstaltung es sich bei der Ursache der Sperrung handelt – vermutlich, um uns Anwohner damit davon abzuhalten, Beschwerde einzulegen.

Denn was auf diesen Ankündigen immer fehlt, ist der Hinweis, wo wir AnwohnerInnen denn während der Zeit der Sperrungen parken sollen. Gerührt sah ich kürzlich im Fernsehen einen Bericht darüber, wie ein Bauherr, der Straßenrandparkplätze sperren lassen wollte, den AnwohnerInnen dafür die Möglichkeit bot, ihre Autos auf benachbarten Supermarktparkplätzen abzustellen. Warum macht man so etwas nicht einfach zur Bedingung?

So sehe ich mein Auto quasi täglich und bewege es öfter, als ich möchte: nämlich zum Umparken. Quasi täglich muss ich kontrollieren, ob nicht dort, wo es geparkt steht, über Nacht Schilder aufgestellt wurden, die eine weitere Sperrung ankündigen: Nicht jeder Veranstalter/Filmer denkt an die vorwarnende Mitteilung an der Haustür.

Dann parke ich mein Auto weit, weit weg – nur damit vor meiner Haustür dann weiß-goldene „Luxustoilettenwagen“, ausladende Foodtrucks und voluminöse Campingbusse für die Haupt­dar­stel­ler*innen, vor allem aber auch die Privatwagen derjenigen geparkt werden können, die in welcher Funktion auch immer an dem Dreh/der Veranstaltung beteiligt sind – und offenbar nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommen können.

„Dreht doch da, wo ihr wohnt!“, konnte ich kürzlich nicht anders als eine junge Frau anschnauzen, die mit einem Pkw in den abgesperrten Bereich einfuhr, weil dort offenbar noch dringend eine Tüte Luftballons gebraucht wurde. Ich hatte zuvor eine halbe Stunde lang einen Parkplatz gesucht. Schade – den „Kriminalisten“ mit dem eigentlich recht sympathischen Ermittler Christian Berkel, Ehemann der einstigen „Tatort“-Kommissarin Andrea Sawatzki, kann ich jetzt aus Trotz natürlich nicht mehr gucken. Ob ich das allerdings auch bei „4 Blocks“ durchhalte, da bin ich mir noch nicht ganz so sicher.