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Oxfam-Mitarbeiter sollen in Haiti Partys mit Prostituierten gefeiert haben

In der Gästewohnung von Oxfam in Port-au-Prince fühlte sich ein Mitarbeiter an eine römische „Caligula-Orgie“ erinnert. Leitende Mitarbeiter der britischen Hilfsorganisation, die die Erdbebenhilfe im Haiti koordinierten, hätten sich dort 2011 mit haitianischen Prostituierten vergnügt, berichtete die Londoner Times unter Berufung auf einen Informanten.

Tagsüber bauten die bezahlten „Senior“-Helfer mit 230 Mitarbeitern Notunterkünfte und betreuten Opfer des schweren Bebens, das die Region rund um die haitianische Hauptstadt in Schutt legte. Abends, so der Times-Whistle­blower, ließen sie sich Prostituierte in die von Oxfam angemietete Unterkunft bringen, die zum Teil unter 18 Jahren gewesen sein sollen. Im ärmsten Land Lateinamerikas ist Prostitution auch gesetzlich verboten – und für Sexarbeiterinnen strafbar.

Bereits wenige Woche danach will der Whistle­blower der Organisation davon berichtet haben. Zwar habe Oxfam sofort eine Untersuchung eingesetzt. Aber ansonsten sei der Vorfall vertuscht worden. Um Schaden für den Wohltätigkeitsverein abzuwenden, durfte der Landeschef Roland van H. laut Medienbericht selbst kündigen. Die Vorwürfe hatte er damals eingeräumt. Vier hochrangige Mitarbeiter wurden entlassen, zwei kündigten freiwillig. Die Mehrzahl soll nun bei anderen Hilfsorganisationen arbeiten.

Die Londoner Oxfam-Zentrale weist die Vertuschungsvorwürfe zurück. Man habe sogar im September 2011 eine Presseerklärung veröffentlicht, dass Mitarbeiter „an einer Reihe von Fällen von Fehlverhalten“ beteiligt gewesen seien. Auf die konkreten Vorwürfe geht die Erklärung nicht ein, auch die Mitteilung von Oxfam Deutschland nicht. Lediglich aus der Formulierung, „die Vorwürfe der sexuellen Ausbeutung Minderjähriger konnten nicht bestätigt werden“, kann der Leser entnehmen, dass es wohl um „sexuelles Fehlverhalten“ ging. Oxfam habe eine Hotline eingerichtet, um eine Wiederholung von „Fällen von sexueller Gewalt, Belästigung und Ausbeutung“ auszuschließen, betont deren Berliner Büro.

Oxfam erhält jährlich rund 300 Millionen Pfund an Steuer- und Spendengeldern, umgerechnet etwa 340 Million Euro. Inzwischen hat das britische Entwicklungsministerium erklärt, es überprüfe die Zusammenarbeit. Zumal ein zweiter Bericht Oxfam weiter belastet: Dem britischen Wochenblatt The Oberserver von Sonntag zufolge sind im Tschad im Jahr 2006 wiederholt mutmaßliche Prostituierte in das Haus des Oxfam-Teams eingeladen worden. Hans-Ulrich Dillmann