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Lecker service funéraire!

Ein Leitfaden für die Beerdigung von Paul Bocuse

Tischgebete fallen unter den Tisch: Paul Bocuse selig Foto: Haubenfoto: ap

Richtung Jenseits kein Chichi – so hatte es Kochmessias Paul Bocuse verfügt, bevor er dort, wo er 91 Jahre vorher zur Welt gekommen war, den, nein, das schreiben wir jetzt nicht, auweia, also Bocuse hat bekanntlich kürzlich nahe Lyon den Löffel abgegeben. Seine Kumpels, die Lyoner Küchenchefs, können es jetzt nicht lassen, entgegen dem Willen des Maître, eine nationale Trauerfeier von Showspezialist Emmanuel Macron zu fordern. Das wiederum erzürnt Jérôme, den Sohn von Bocuse. Wahrscheinlich erinnert er mit Grausen das Halligalli um den verblichenen Altrocker Johnny Hallyday im Dezember in Paris. Sein Altvorderer habe „keine Zeremonie und keinen Kranz“ gewollt. Quoi faire? Analog zu den Basics der nouvelle cuisine, an der Bocuse vehement mitgerührt hat, schlagen wir einen neuartigen service funéraire für den Haubenmann vor. Voilà: 1. Vereinfachung der Zubereitung: Die Trauerfeier besteht aus Suppe und Hauptgericht. 2. Verkürzung der Kochzeiten: Tischgebete fallen unter den Tisch. 3. Frische der Zutaten: Hat sich erledigt. 4. Speisenfolge reduziert auf wenige Gerichte: siehe erstens. 5. Vermeidung kräftiger Marinaden: Bocuse ist bereits einbalsamiert. 6. Mehlschwitzen durch Jus ersetzen: fürwahr eine schöne Leich! 7. Regionalität von Gerichten und Zutaten: gegeben. 8. Integration neuer Techniken: endlich mal eine Beerdigung ohne Blumen! 9. Gesundheitsbewusste Auswahl: Dafür spricht Bocuse’Abgang mit 91 Jahren. 10. Bereitschaft zur Weiterentwicklung: Gott hab ihn selig, den Kochmessias!

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