LIEBESERKLÄRUNG

George W. Bush

Ein böser Mann, dümmlich glotzend: So erinnert man sich an den 43. US-Präsidenten. doch auf einmal wird er zur Lichtgestalt

Wie war das noch mal, vor etwa 15 Jahren? George Walker Bush regierte als 43. Präsident die USA, schmetterte markige Parolen gegen Terroristen, schwor ihnen Rache und einen endlosen Krieg. Er schickte Truppen nach Afghanistan, dann in den Irak, stürzte den Nahen bis Mittleren Osten ins Chaos. Bush, dieser harmlos und etwas begriffsstutzig wirkende wiedergeborene (und trockene) Christ, war ein Freund der Rüstungsindustrie und Kriegstreiber.

In seinem Gefolge wurden ultrakonservative Falken wie Dick ­Cheney, Donald Rumsfeld und Paul Wolfowitz in Regierungsämter geschwemmt. Berlin-Neukölln erlebte einen Ansturm amerikanischer Expats. Er erlaubte Folter und ermöglichte Guantánamo. Knilchface Bush war die Fratze des bösen Amerikas.

Heute haben wir gelernt, dass das böse Amerika nicht dümmlich glotzt, sondern anbiedernd feixt und schwafelt. Und George W. Bush? Zog sich nach seinem Ausscheiden aus der Politik 2009 nach Preston Hollow bei Dallas zurück, hielt ein paar Reden, aber beschäftigte sich vor allem mit Ölmalerei (seinem neuen Hobby nach dem Vorbild Winston Churchills). Seine Soldatenporträts würdigen Militärangehörige, die traumatisiert oder verwundet aus dem Irak zurückkehrten. Keine Entschuldigung, keine Selbstkritik kam über Bushs Lippen.

Dann das: Am Vorabend von Trumps erster „Rede zur Lage der Nation“ tauchte George W. Bush wieder auf und bezog in mehreren Interviews öffentlich Stellung gegen den aktuellen US-Präsidenten. Journalist_innen seien nicht die „Feinde des Volkes“, sondern im Gegenteil unabhängige Medien „unverzichtbar“ für die Demokratie und dazu da, „Leute wie mich zur Verantwortung zu ziehen“. Einreiseverbot und Mas­sen­de­por­ta­tio­nen stünden im klaren Gegensatz zu den Grundwerten der Nation.

Man kann George W. Bush nicht alles verzeihen, natürlich nicht. Doch im Vergleich mit dem durchs System marodierenden Amtsinhaber erscheint er als ein Mann mit Haltung, als Politiker von Format, den man heute auf republikanischer Seite bitter vermisst. Krass, aber so ist es. Malte Göbel