Kommentar von Kaija Kutter über Flüchtlingsbeschulung

Ein Recht, keine Gnade

Kinder haben ein Recht auf Sprachkurse, unabhängig von „Bleiberechtsperspektive“

Die Unterbringung von vielen ankommenden Menschen in so kurzer Zeit war im vergangenen Herbst für die Verantwortlichen eine schwierige Aufgabe. Da war kleinliche Kritik vielleicht nicht immer fair. Aber mittlerweile sind Monate ins Land gegangen. Und es zeichnet sich ab, dass Menschen nicht nur Tage und Wochen, sondern gar Monate in Massenunterkünften und Hallen leben müssen, unter ihnen auch Kinder.

Dass allein ist schon nicht erträglich. Kinder, die unter so prekären Bedingungen leben, brauchen gute Kitas und Schulen – nötiger als alle anderen. Sie haben ein Recht auf Schule, unabhängig vom Stand des Asylverfahrens, haben sie ein Recht auf Sprachkurse und zwar unabhängig von der „Bleibeperspektive“. Wir haben kein Recht, ihre Zeit zu verschwenden. Eine Lerngruppe in der zentralen Erstaufnahme (ZEA), das ist nicht „nice to have“, das ist das Minimum.

Natürlich mag es objektive Bedingungen geben, die den Ausbau erschweren. Korrekterweise müsste aber die Komplettversorgung aller Kinder sofortiger Anspruch sein, nicht erst nach einigen Monaten. Wenn das nicht geht, müssen flexible Lösungen her: Die Ehrenamtlichen könnte man einbinden, auch bezahlen, statt sie weiter auszubeuten. Sie fühlen sich verantwortlich. Wer Kinder kennenlernt, kann nicht nichts tun.

Vielleicht bewährt sich aber auch das dreistufige Modell der Stadt nicht: Erst die Lerngruppe in der ZEA, dann die Vorbereitungsklasse an der Regelschule und erst dann eine normale Schule für das Kind. Man könnte, wie die Linke es vorschlägt, Kinder auch gleich an die Schule geben.

Was auf keinen Fall geht, ist Kinder in den Großunterkünften zu verwahren. Es dürfte schon morgen keine einzige ZEA ohne anständig finanziertes, ganztägiges Betreuungsangebot mehr geben.