Schwestern-Film: Das Glück am Herd

Heike Makatsch mal unsympathisch - in "Schwesterherz" gibt sie die große Yuppie-Schwester und am Ende wird klar: Erfolg macht einsam und verbittert. Ein Eva-Hermann-Epos.

Erfolg macht zynisch und einsam. Wo sind bloß Heim und Herd? Bild: egoli tossel

Wir kennen dieses Spiel. Und hassen es. Wir wollen gar nicht wissen, welche zu erratende prominente Persönlichkeit sich Freunde für uns ausdenken. Besonders übel erwischt es Heike Makatschs Filmfigur zu Beginn von "Schwesterherz". Auf ihrer Stirn klebt ein Schild, auf dem Margaret Thatcher steht. "Mag ich mich?", will sie wissen. Nein, sie mag sich nicht, und dieser Film mag sie auch nicht.

Heike Makatsch spielt Anne, eine erfolgreiche Musikproduzentin, deren Selbstbewusstsein während einer gemeinsamen Ferienreise mit der jüngeren Schwester langsam zerbröckelt. Mit großer Schadenfreude schaut ihr Ed Herzogs Film dabei zu. Zu Beginn der Reise hält sie die Fassade der souveränen und überlegenen Geschäftsfrau noch aufrecht. Sie, die Frau im schwarzen Ledermantel, hat den Durch- und Überblick und für die Pläne der jüngeren Schwestern Marie (Anna Maria Mühe), Brunnen in der Dritten Welt zu bauen, nur ein herablassendes Lächeln übrig. Doch die zahlreichen Kontrollanrufe im Büro sind letztlich ein Indiz für Maries Angst, entbehrlich zu sein. Auch in ihrer Beziehung scheint sie keine Sicherheit zu finden, von ihrer Schwangerschaft und dem Abtreibungstermin hat sie ihrem Freund jedenfalls nichts erzählt.

Mit Vorliebe zeigt die Kamera in Großaufnahme Makatschs Gesicht, das immer mehr in sich zusammenfällt, registriert mit sadistischer Freude die Trauer und Verzweiflung, die sich über ihre Züge legen. Schon steht Marie wieder vor dem Spiegel, repariert das angeschlagene Image. Prompt holt der Film zum nächsten Keulenschlag aus. Durchweg muss er seine Hauptfigur demütigen und ihr beweisen, dass Frauen, die Karriere und Privatleben unter einen Hut bringen, reine Utopie sind. Denn, so lautet die klare Botschaft: Erfolg macht zynisch, einsam, verbittert und reichlich unsexy.

Wenn Marie im Suff mit einem Jugendlichen rummacht, muss dieser angesichts ihrer Dominanz recht schnell klein beigeben. Ein anderer junger Kerl macht sich wiederum über ihre Ellbogen lustig, die schon ganz rau und runzlig seien. Und ihre Schwester hat, wie sie erfahren muss, nur Mitleid für sie übrig. Am Ende gibt sich Marie geschlagen, sie hat die Lektion verstanden. Als Häuflein Elend kehrt sie von der Reise zurück, fühlt sich plötzlich wie ein Fremdkörper in ihrer coolen, durchgestylten Wohnung. Sie schnappt sich ihren noch unausgepackten Koffer, lässt den Erfolg hinter sich, um Heim und Herd zu finden. Spätestens in diesem Moment wird Makatschs Marie zur Fackelträgerin des konservativen Frauenbilds, auf das sich die deutschen Medien in der letzten Zeit so harmonisch eingestimmt haben. Man könnte meinen, Eva Herman habe am Drehbuch mitgeschrieben.

"Schwesterherz". Regie: Ed Herzog. Mit Heike Makatsch, Anna Maria Mühe, Ludwig Trepte u. a., D 2006, 94 Min.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de