die wahrheit: Der Mörder in der Staatskarosse

Jahrestage sind eigentlich langweilig. Aber die Affäre, über die fast die irische Regierung gestürzt wäre, ist auch 25 Jahre später noch "grotesk, unglaublich, bizarr, unvorhersehbar", wie der damalige Premierminister Charles Haughey bemerkte.

"GUBU" ging als Begriff ins irische Englisch ein. Haughey wurde später selbst damit belegt, als herauskam, dass er Bestechungsgelder in Höhe von rund 20 Millionen Pfund angenommen hatte, während er dem Volk riet, den Gürtel enger zu schnallen.

Im Mittelpunkt der GUBU-Affäre stand Malcolm MacArthur. Der damals 36-Jährige war hochgebildet, belesen und trug stets makellose Kleidung. Sein Markenzeichen war eine gepunktete Fliege, und er verkehrte in den vornehmsten Kreisen. Um Geld musste er sich nicht sorgen, denn nach dem Tod seines Vaters hatte er eine beträchtliche Summe geerbt. Doch nach acht Jahren ging das Geld zur Neige. MacArthur, seine Freundin Brenda Little und ihr gemeinsamer Sohn Colin zogen nach Teneriffa. Kurz darauf war das restliche Geld aufgebraucht. MacArthur ging alleine zurück nach Dublin, um ein paar "finanzielle Angelegenheiten" zu regeln: Er beschloss, sich an bewaffneten Raubüberfälle zu versuchen.

Er besorgte sich einen Vorschlaghammer, um die Opfer zur Geldherausgabe zu überreden, sowie einen Spaten, falls sie sich nicht überreden ließen und begraben werden mussten. Außerdem benötigte er einen Fluchtwagen. Den fand er im Dubliner Phoenix Park, wo die Krankenschwester Bridie Gargan ein Sonnenbad nahm. Sie wehrte sich, MacArthur schlug zu und raste mit der sterbenden Frau davon. Ein zufällig vorbeikommender Krankenwagen gab ihm Geleitschutz, denn die Sanitäter hielten MacArthur wegen Gargans Krankenhausaufkleber für einen Arzt, der mit einer Verletzten unterwegs war. Stutzig wurden sie erst, als MacArthur am Krankenhaus vorbeifuhr. Da es mit dem Vorschlaghammer nicht geklappt hatte, kaufte er bei einem Tontaubenschützen ein Gewehr und erschoss den Verkäufer, damit der ihn später nicht identifizieren konnte. So weit eine normale, wenn auch blutige Räuberpistole.

Doch MacArthur brauchte eine Unterkunft. Ihm fiel ein, dass seine Freundin Little mit der Frau des Generalstaatsanwalts Paddy Connolly bekannt war, und so fuhr er in den exklusiven Vorort Dalkey. Connolly bot ihm nicht nur ein Zimmer an, sondern stellte ihm auch seine Staatskarosse mit Chauffeur zur Verfügung.

Dann machte MacArthur einen entscheidenden Fehler: Er überfiel den US-Amerikaner Harry Beiling in der Nachbarschaft, doch Beiling konnte fliehen. MacArthur rief am nächsten Tag die Polizei unter seinem richtigen Namen an und behauptete, er habe Beiling lediglich einen Streich spielen wollen. Die Polizei verfolgte den Anruf zurück zum Haus des Generalstaatsanwalts. Dessen Karriere war damit beendet.

MacArthur sitzt noch immer im Gefängnis, sein damaliger Verteidiger war eine Weile Justizminister, bis er bei den Wahlen im Mai wieder in der Versenkung verschwand, und Haughey ist gestorben. Dennoch hat man das Gefühl, dass sich eine solche Geschichte jederzeit wieder in Irland ereignen könnte.

Die Wahrheit auf taz.de

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Geboren 1954 in Berlin. 1976 bis 1977 Aufenthalt in Belfast als Deutschlehrer. 1984 nach 22 Semestern Studium an der Freien Universität Berlin Diplom als Wirtschaftspädagoge ohne Aussicht auf einen Job. Deshalb 1985 Umzug nach Dublin und erste Versuche als Irland-Korrespondent für die taz, zwei Jahre später auch für Großbritannien zuständig. Und dabei ist es bisher geblieben. Verfasser unzähliger Bücher und Reiseführer über Irland, England und Schottland. U.a.: „Irland. Tückische Insel“, „In Schlucken zwei Spechte“ (mit Harry Rowohlt), „Nichts gegen Iren“, „Der gläserne Trinker“, "Türzwerge schlägt man nicht", "Zocken mit Jesus" (alle Edition Tiamat), „Dublin Blues“ (Rotbuch), "Mein Irland" (Mare) etc. www.sotscheck.net

ist die einzige Satire- und Humorseite einer Tageszeitung weltweit. Sie hat den ©Tom. Und drei Grundsätze.

kari

Wenn Sie bei der taz anrufen, bekommen Sie keine gewöhnliche Warteschleife zu hören. Bei uns liest die Wahrheit ihre Gedichte vor!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de