Regierung prämiert Arbeitgeber: Firmen mit Einwanderern werden belohnt

Ford, Ikea und ein Ingenieurbüro: Die Regierung prämiert Arbeitgeber, die jugendliche Migranten ausbilden.

93 Prozent der Ford-Azubis lernen in interkulturell gemischten Teams. Denn heterogene Gruppen sind erfahrungsgemäß erfolgreicher. Bild: dpa

BERLIN taz Mathias Kaiser hat sich entschieden. Er nimmt die, die woanders kaum eine Chance haben. Drei Auszubildende beschäftigt er in seinem kleinen Dortmunder Ingenieurbüro, alle drei kommen aus Einwandererfamilien und haben gerade den Hauptschulabschluss.

"Ich mache das aus gesellschaftlichem Engagement", sagt Kaiser. "Betriebswirtschaftlich zahlt sich das nicht aus. Im Gegenteil." Den einen oder anderen Auftrag habe er schon verloren. "Nicht jeder Geschäftspartner akzeptiert Sprachprobleme oder einen begrenzten Wortschatz", sagt der Bauingenieur. "Aber wenn Leute wie ich Abiturienten ausbilden - was wird dann aus den Haupt- und Realschülern, und das sind hier in Dortmund ja meist Zuwanderer?"

Für sein Engagement ist das kleine Ingenieurbüro, in dem insgesamt neun Bauingenieure, Landschaftsarchitekten, Geologen und technische Mitarbeitern tätig sind, am Dienstag von der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), mit dem Preis "Kulturelle Vielfalt in der Ausbildung" ausgezeichnet worden. Kaiser kam auf den ersten Platz in der Kategorie "Kleinstunternehmen". Prämiert wurden insgesamt zwölf Arbeitgeber, darunter auch die Ford-Werke in Köln und Ikea Deutschland sowie die Städte München und Essen. Insgesamt 71 Unternehmen und öffentliche Einrichtungen hatten sich am Wettbewerb beteiligt.

Der öffentliche Dienst, sagt Böhmer, habe sich zum Vorreiter in der gezielten Ansprache von Auszubildenden mit Migrationshintergrund entwickelt. München fordert die Jugendlichen mit Hilfe von Broschüren, Informationsveranstaltungen und Kinospots auf, sich bei der Stadt zu bewerben. Gemeinsam mit der Ludwig-Maximilians-Universität hat die Stadt ein neues Personalauswahlverfahren entwickelt, das interkulturelle Kompetenz miteinbezieht. Die Anstrengungen zeigen Wirkung: Ein Fünftel der Münchener Azubis haben einen Migrationshintergrund, das ist überdurchschnittlich.

Bei Ford in Köln haben 40 Prozent der Auszubildenden Migrationshintergrund. Bei der Auswahl werden nicht nur Zeugnisse, sondern auch so genannte Soft Skills berücksichtigt. Langzeitpraktika bereiten auf die Ausbildung vor, die Mehrzahl der Praktikanten bekommt auch einen Ausbildungsplatz. 93 Prozent der Ford-Azubis lernen in interkulturell gemischten Teams. Das Kalkül des Autobauers: Heterogene Gruppen sind erfahrungsgemäß erfolgreicher.

Das weiß auch der Dortmunder Bauingenieur Kaiser und lobt "das verbindliche Betriebsklima" in seinem Büro. Die Azubis sehen die Chance, die Kaiser ihnen bietet - und engagieren sich. Artihae Makendras Eltern kommen aus Sri Lanka, die Tamilin ist jetzt im zweiten Ausbildungsjahr. "Wir haben erst nach ihrer Einstellung gemerkt, dass sie einen sehr kleinen deutschen Wortschatz hat", sagt Kaiser. Er forderte sie auf, nach einer Fördermöglichkeit zu suchen. Jetzt besucht Makendras zweimal in der Woche einen Deutschkurs, ihr Chef hat sie dafür von der Arbeit freigestellt.

Übernehmen wird er Makendras und die beiden anderen Azubis trotzdem nicht. "Wir wollen ihnen die Chance geben, sich zu qualifizieren", sagt Kaiser. Danach könnten sie weiter zur Schule gehen und den Realschulabschluss nachmachen, vielleicht auch das Abitur. In Kaisers Büro bekommen dann neue Azubis eine Chance.

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