Asylbewerber wehren sich gegen Schikanen

Das Schimmelasyl

Der größte deutsche Betreiber von Asylheimen und der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt lassen in Thüringen schlimme Zustände in einem Lager zu: Schimmel und Schikanen.

KATZHÜTTE taz Die Tannen tragen sattes Grün und das Flüsschen Schwarza sieht sauber aus. Es leuchtet ein, weshalb der Gewerkschaftsbund der DDR am Rande des Städtchens Katzhütte einst ein Ferienheim bauen ließ. Das ist lange her. Heute ist hier eine Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber, niemand würde mehr Ferien machen. Seit Monaten wehren sich 70 Bewohner des Heimes gegen ihre Lebensbedingungen: Isolation, giftiger Schwarzschimmel, eine verfallene Gemeinschaftsdusche im Keller, schikanöses Personal, das die Küchen abschließt und Urlaubsscheine nur im Einzelfall ausgibt. So die Vorwürfe.

Als das Fernsehen auf sie aufmerksam wurde, gestand der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt die Schimmelbelastung zweier "Bungalows" genannter Faserplatten-Baracken ein. In den übrigen Häusern sei nichts zu beanstanden, teilt die Kreisverwaltung mit. Doch wer sich in den "übrigen Häusern" von den Bewohnern herumführen lässt, dem werden hinter Sofas schwarze Flecken präsentiert, die sich an der Wand ausbreiten.

In der vergangenen Woche begannen Flüchtlinge eine Kampagne gegen die private Betreiberfirma ihre Heimes, die "K&S - Dr. Krantz Sozialbau und Betreuung" im niedersächsischen Sottrum. Ihr Besuch stieß dort auf Unverständnis. "Der Protest ist bei uns an der völlig falschen Adresse", sagt K&S-Geschäftsführer Gero Knebel. "All die Dinge, die von den Flüchtlingen kritisiert werden, liegen in der Verantwortung des Landkreises." K&S stelle lediglich einen "Hausmeisterdienst" sowie "etwas Betreuung", zudem sei man für die Reinigung der Gemeinschaftsräume zuständig. Die Immobilie sei Eigentum des Kreises - folglich sei dieser für Baumängel verantwortlich.

Für Bernd Mesovic von Pro Asyl ist "diese Hin- und Herschieberei von Verantwortung typisch". Seit den 1980er-Jahren hätten Firmen wie K&S "Rundum-sorglos-Pakete" für die Kommunen angeboten, oft inklusive Wachdiensten und Verpflegung zum Pauschalpreis. Der Branchenriese K&S, der das Asylheim-Geschäft auf seiner Homepage geflissentlich verschweigt, betreibt seit 1981 Asylbewerberheime mit derzeit rund 8.000 Plätzen in mehreren Bundesländern. Vor einigen Jahren waren es gar 25.000 Flüchtlinge, die Kommunen bei Dr. Krantz einmieteten. Das Modell privat betriebener Heime ist in Ostdeutschland beliebt, wo nach der Wende viele LPG- und NVA-Gebäude in kommunalen Besitz übergingen.

Norbert Grehl-Schmitt vom niedersächsischen Flüchtlingsrat schätzt die Zahl der Flüchtlinge, die bundesweit in solchen privaten Unterkünften leben, auf rund 20.000. "Kommunal betriebene Wohnheime sind mittlerweile in der absoluten Unterzahl."

Auf Anfrage will man beim Landkreis den Protest in Katzhütte "nicht kommentieren" und nur in "Sachfragen" Auskunft geben. Zu einer aber nicht: Wie viel K&S dem Landkreis für den Betrieb des Heimes in Rechnung gestellt hat. "Vertragsdetails unterliegen der Geheimhaltung", heißt es.

Den Flüchtlingen ist die Ankündigung des Kreises, das Heim in Katzhütte weiter zu sanieren, nicht genug. "Wir wollen in Wohnungen leben wie alle anderen auch", sagt Hashima, eine dort lebende Irakerin. Dass dies keine weltfremde Forderung ist, beweisen die Beispiele von Kommunen wie Köln oder Cottbus. Hier ist man dazu übergegangen, Flüchtlinge dezentral in Wohnungen unterzubringen. "Es gibt nichts, was dagegen spricht", sagt Peter Lewandowski, der Sprecher der Stadt Cottbus. Auch keine finanziellen Gründe: "Im Wesentlichen war das neutral." Durch die Wohnungsvergabe habe man "die Herabsetzung von Flüchtlingen" beenden wollen.

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