Rechte Gewalt gegen Journalisten

Aggression gegen "Systemjournaille"

Die rechte Gewalt gegen Journalisten habe besorgniserregende Brutalität erreicht, berichtet der DJV. In Hamburg ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen gezielter Übergriffe am 1. Mai.

Treten immer öfter auf die Presse ein: Neonazis. Bild: dpa

Bei YouTube sind sie noch zu finden: die Bilder von Neonazis, die am 1. Mai in Hamburg Journalisten angreifen und schlagen. In Szeneforen feiern Kameraden die Gewalt auf dem Marsch der NPD und Freien Kameradschaften nicht nur, im Portal Altermedia rufen sie offen dazu auf: "Schlagt die Journaille, wo ihr sie trefft!" In Hamburg hat die Staatsanwaltschaft gestern bestätigt, Ermittlungen aufgenommen zu haben. Der Verdacht: öffentlicher Aufruf zur Straftat.

In einem Beitrag des NDR-Magazins "Zapp" berichteten Journalisten von gezielten Angriffen während des Aufmarschs. In den Foreneinträgen zu dem Bericht werden nun sechs Journalisten namentlich genannt [darunter der Autor, der in der taz nord die Kolumne "Der rechte Rand" schreibt; d.Red.]. "Solche Gestalten", schreibt "Friese Hamburg" auf Altermedia, "sollten viel öfter auf nationale (sic!) Demos ihr blaues Wunder erleben." Und "Gnadenloser Krieger" schreibt: "Die Systemjournaille" müsse lernen, dass es "in diesem Kampf keine Unantastbaren gibt". Man solle die "Huren des Systems" sich "jeden Cent ihres Judaslohnes schwer und unter Einsatz ihres Lebens verdienen" lassen. Er empfiehlt, nicht "bedeutungslose Zecken zu prügeln", sondern "wertvolle Ziele" anzugehen.

In den letzten Jahren drohten Neonazis Journalisten immer wieder, veröffentlichten Namen und Adressen. Auch zu Übergriffen bei Recherchen kam es. Neu ist aber, dass, wie der freie Fotograf Peter J. sagt, der in Hamburg angegangen wurde, eine Gruppe gezielt auf bestimmte Journalisten einschlug.

"Das ist eine besorgniserregende Entwicklung", sagt Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalisten-Verbands. Die Presse sei in der Szene nie beliebt gewesen, aber in Ruhe gelassen worden. "Das ist offensichtlich vorbei." Umso notwendiger seien umfassende Ermittlungen. "Bei Aufmärschen muss die Polizei mehr die Journalisten schützen", sagt Zörner. Auch Konrad Freiberg, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, hält dies für "dringend geboten". In Hamburg habe man die "neue Qualität der Gewalt" auch gegen die Presse erleben können, sagt er. Der Schutz, fürchtet er aber, "wird schwieriger. Man will die gewalttätige Auseinandersetzung, ja man kann so weit gehen, zu sagen: Die wollen Tote." ANDREAS SPEIT

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