Kommentar Obama: Der umgekehrte Bradley-Effekt

Für Obama gibt es noch keine Erfahrungswerte bei Umfragen - trotzdem oder gerade deshalb könnte er gewinnen.

Nun ist es ziemlich klar, dass Barack Obama die Wahl in zwei Wochen gewinnen wird. Nicht nur weil die Wirtschaftskrise immer mehr Amerikanern die Augen dafür öffnet, welche Folgen die neoliberale "Lasst den Markt mal machen"-Politik hat. Auch nicht, weil sich nach dem Investmentpapst Warren Buffet nun auch Colin Powell, der General und Exaußenminister von Präsident George W. Bush, für Obama ausgesprochen und damit die Seite gewechselt hat. Sondern weil Hautfarbe tatsächlich ein entscheidender Faktor dieser Wahl ist - und Obama nun trotzdem in allen Umfragen deutlich vorne liegt.

Viele Skeptiker fürchten nun den "Bradley-Effekt": Benannt ist er nach Tom Bradley, dem schwarzen Bürgermeister von Los Angeles, der 1982 bei den Wahlen zum Gouverneur von Kalifornien in allen Umfragen deutlich führte - und trotzdem verlor. Offenbar trauten sich etliche Wähler nicht, sich oder den Demoskopen gegenüber einzugestehen, dass sie keinen Schwarzen wählen würden, so die Schlussfolgerung der Analysten.

Jüngste Studien zeigen jedoch, dass es auch einen umgekehrten Bradley-Effekt geben könnte. US-Wissenschaftler haben nämlich festgestellt, dass bei den demokratischen Vorwahlen tatsächlich in drei Bundesstaaten weniger Wähler für Obama stimmten, als vorher in Umfragen angegeben hatten. In zwölf anderen Bundesstaaten aber stimmten im Schnitt sieben Prozent mehr Wähler für Obama, als sich zuvor für ihn ausgesprochen hatten. Denn unentschiedene Menschen, die in einer von Weißen dominierten Region leben, tendierten dazu, sich in Umfragen zu einem weißen Kandidaten zu bekennen. Doch über ihr Wahlverhalten gebe das am Ende nur wenig Aufschluss.

Ohnehin beruhen die meisten Umfragen im Wesentlichen auf einem Mix aus Datenbanken und Erfahrungswerten. Mit einem Kandidaten wie Obama aber gibt es bislang keine Erfahrung, und über die Handydaten von Millionen von Jungwählern verfügen die Umfrageinstitute auch nicht. Gut möglich, dass Obama deshalb die Wahl gewinnt - und sogar haushoch.

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