Endspurt im US-Wahlkampf: Obama erzielt Spendenrekord

Für den demokratischen Präsidentschaftskandidat läuft es weiter exzellent. Konkurrent John McCain muss verkraften, dass Republikaner Colin Powell für Obama wirbt.

Begeistert Colin Powell: Präsidentschaftskandidat Obama. Bild: ap

WASHINGTON taz Am Montag gab es eine gute Nachricht für die Republikaner im US-Wahlkampf: "McCain lebt noch", titelte die Pittsburgh Tribune-Review. Allerdings muss der konservative Präsidentschaftskandidat derzeit Schlag auf Schlag verkraften und seine Partei zeigt sich zerrütteter denn je. "Die Republikaner fürchten ein Blutbad im Kongress", fasst AFP das Stimmungsbild unter den Abgeordneten zusammen, die ebenfalls am 4. November zur Wahl stehen.

Am Sonntag hatte der republikanische Vier-Sterne-General Colin Powell, der als Außenminister für Präsident George W. Bush die Irakinvasion managte, erklärt, dass er den demokratischen Kandidaten Barack Obama wählen wird. Er sei "kompetenter" als John McCain, der mit seiner Vize-Kandidatin Sarah Palin "schlechte Urteilskraft" bewiesen habe. "Ich glaube nicht, dass sie fähig ist, US-Präsidentin zu werden", sagte Powell in der TV-Sendung "Meet the Press". Powell betonte, er habe McCain gesagt, dass er ihn nicht nur wählen könne, weil er ein langjähriger Freund und politischer Weggefährte sei. Und er habe Obama gesagt, dass er ihn wählen werde, keineswegs nur, weil sie beide Afroamerikaner sind. Obama sei besser geeignet, die Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen, und: "Wir brauchen einen Präsidenten, der einen Generationenwechsel darstellt." Obama würde "nicht nur unser Land begeistern, er würde die Welt begeistern."

Am Wochenende forderten zahlreiche Zeitungen ihre Leser auf, Obama zu wählen, darunter die Washington Post, die Los Angeles Times und die konservative Chicago Tribune, die zum ersten Mal in ihrer langen Geschichte einen Demokraten empfahl. Zugleich gab Obama bekannt, dass er seinen eigenen Spendenrekord erneut gebrochen hat: 150 Millionen Dollar sammelte er allein im September ein. Jetzt schon gibt der Demokrat viermal so viel Geld für Fernsehspots aus wie der Republikaner. In allen besonders umkämpften Bundesstaaten machen Millionen freiwillige, unbezahlte Obama-Anhänger der Wahlkampfmaschine von McCain zu schaffen.

Die Buchmacher zeigen einen klaren Trend, selbst die traditionell zurückhaltende Gallup-Umfrage sieht Obama nun landesweit mit 51 Prozent vor McCain mit 44 Prozent. Die Aufschlüsselung der Wählerbefragungen zeigt, dass der berühmt-berüchtigte "Joe, der Klempner" immer weniger Angst vor Steuererhöhungen der Demokraten hat: die Blaumänner-Mittelklasse und kleinen Unternehmen glauben also der republikanischen Propaganda nicht, dass Obama ihre Abgaben erhöhen werde.

"McCain wird Bush einfach nicht los", leitartikelt die New York Times am Montag. Und die Schlagzeile der Washington Post lautet: "Volle Kraft voraus für Obama". Und Powell schlug eine weitere Kerbe in McCains Strategie, Obama als unerfahrenen und damit gefährlichen Außenpolitiker darzustellen. Er sei besorgt über die vielen Amerikaner, die immer noch glauben, dass Obama ein Muslim sei, sagte Powell. Er erinnerte an eine Wahlkampfveranstaltung, wo eine Frau Bedenken äußerte, dass Obama "ein Araber ist". und McCain antwortete: "Nein, Maam, er ist ein ordentlicher Familienvater." "Das sind die Bilder, die al-Qaida verbreitet, die uns in der ganzen Welt killen", sagte Powell.

Republikanische Strategen schreiben ihren Kandidaten nicht ab, allerdings klingt es wie Pfeifen im Wald: "Ein Vorteil von John McCain ist, dass er John McCain ist", sagt einer der Wahlkampfleiter im umkämpften Bundesstaat Pennsylvania, Charlie Gerow. "McCain steht in den Umfragen immer schlechter da, als er ist, und Obamas Vorwahl-Umfragen sind immer aufgeblasen", meint Gerow. "Ich verlasse mich auf das, was ich von Leuten im ganzen Land höre." Demnach liege Obama höchstens fünf bis sechs Prozentpunkte vorne, "also ist das Rennen nicht vorbei."

Und wenn es einer zu wissen glaubt, dann Mitt Romney, der in den republikanischen Vorwahlen McCain mit Geld, Strategie und Organisation weit übertrumpfte und jetzt sagt: "Es wäre ein schwerer Fehler, McCain auszuzählen. Ich erinnere mich, dass alle schon mal sagten, er sei tot und beerdigt. Aber er kam brüllend zurück."

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