Journalisten im Kongo: Kritik unerwünscht

Journalisten im Kriegsgebiet der Demokratischen Republik Kongo leben in ständiger Gefahr und vom Übersetzen für ihre ausländischen Kollegen.

Es herrscht Krieg. Deshalb müssen die Nachrichten des Regierungssenders im Sinne der Regierung sein. Also keine Berichte über plündernden Soldaten. Bild: dpa

Didace Namujimbo war in der ostkongolesischen Stadt Bukavu auf dem Weg nach Hause, als er mit einem gezielten Schuss getötet wurde. Unbekannte Attentäter lauerten dem kongolesischen Chefredakteur der lokalen Station des UN-Senders Radio Okapi gegen 21 Uhr am Abend des vergangenen Freitag auf und feuerten ihm eine Kugel in den Hals. "Er war sofort tot", erklärte Staatsanwalt Jacques Melimeli. Erst am nächsten Morgen entdeckten Kinder die Leiche.

Bukavu liegt außerhalb des Kriegsgebietes im Osten der Demokratischen Republik Kongo; es ist die Hauptstadt der Provinz Süd-Kivu, südlicher Nachbar der umkämpften Provinz Nord-Kivu. Aber das nicht aufgeklärte Attentat wirft erneut ein Schlaglicht auf die prekäre Situation der Medien im Ostkongo. Der 34-jährige Namujimbo, seit zwölf Jahren im Metier, war der zweite getötete kongolesische UN-Journalist in Bukavu nach Serge Maheshe, der am 13. Juni 2007 vermutlich von Soldaten erschossen wurde.

Ebenso wie der Mord an Maheshe erregt nun auch der an Namujimbo die Menschen in der Ein-Millionen-Stadt Bukavu. Am Samstag trieb die Polizei mit Tränengas wütende Jugendliche auseinander, die aus Protest gegen den Mord Straßen mit brennenden Reifen blockiert hatten. Am Montag gab es eine gigantische Trauerfeier in der katholischen Kathedrale der Stadt.

Journalisten im Ostkongo leben gefährlich. Aus Nord-Kivus von Rebellen belagerter Provinzhauptstadt Goma berichten Mitarbeiter des kongolesischen Staatssenders RTNC - das einzige Radioprogramm außer dem des UN-Senders Okapi, das landesweit ausgestrahlt wird - von Einschüchterungen und Einschränkung der Berichterstattung durch ihre Chefs. Ein Journalist gibt die geltende Direktive wieder: Es herrscht Krieg; RTNC ist ein Regierungssender; deswegen müssen RTNC-Nachrichten immer im Sinne der Regierung sein. Fliehende und plündernde Soldaten kommen daher bei RTNC nicht vor, sondern nur beim UN-Sender Okapi, was dessen Arbeit wiederum aus Regierungssicht wie Rebellenpropaganda aussehen lässt.

Unabhängige Sender gibt es nur noch in der 500.000-Einwohner-Stadt Goma sowie in entlegenen Teilen der Provinz. In der Frontstadt Kanyabayonga hingegen wurde das lokale Radio communautaire von Regierungssoldaten verwüstet. Und im Gebiet der Rebellenbewegung CNDP (Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes) unter Laurent Nkunda gibt es gar keine unabhängigen Radios mehr, denn die Rebellen legen viel Wert auf die Deutungshoheit über die Situation.

Den kirchlichen Sender Radio Colombe in der Distrikthauptstadt Rutshuru verwüsteten CNDP-Truppen bereits vor einem Jahr; nun, bei blutigen Kämpfen mit zahlreichen Toten in Rutshurus Vorstadt Kiwandja am 4. und 5. November, wurde auch das dortige Radio Racou geschlossen. Leiter Alfred Nzonzo Bitwahiki wurde allerdings nicht - wie zunächst behauptet - von CNDP-Truppen getötet: Er tauchte zwei Tage lang unter und meldete sich dann auf Radio Okapi zu Wort.

Die meisten Journalisten der Region müssen ohnehin ihren Lebensunterhalt dadurch verdienen, dass sie den vielen eingeflogenen ausländischen Reportern als Fixer und Übersetzer zuarbeiten. Das bringt Geld, kann aber auch gefährlich sein, wie die Entführung des FAZ-Korrespondenten Thomas Scheen im umkämpften Kiwandja am 4. November zeigte. Mit ihm wurde auch der lokale Journalist Charles Ntiryica gekidnappt, ein ehemaliger Okapi-Mitarbeiter, der für Scheen übersetzte. Alle Geiseln kamen schließlich mit dem Leben davon.

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