Quarzsandhandschuhe bei Polizei

Mit voller Wucht

Bei Berliner Polizeieinheiten sind Quarzsandhandschuhe im Einsatz. Offiziell verboten, aber dennoch toleriert?

Agieren manchmal härter als abgemacht: Polizisten. Bild: dpa

Die Worte des Berliner Polizeipräsidenten ließen an Deutlichkeit nicht zu wünschen übrig: "Aus meiner Sicht sind Quarzsandhandschuhe eine Waffe", sagte Dieter Glietsch. "Der einzige mir bekannte Zweck ist, anderen Verletzungen zuzufügen."

Die Klarstellung erfolgte nicht ohne Grund. Vor anderthalb Wochen waren bei den geschlossenen Einheiten der Hauptstadtpolizei Handschuhe gefunden worden, die nicht zur Dienstausrüstung gehören und eher von Schlägern der Neonazi- oder Türsteherszene angezogen werden. Optisch ähneln die sogenannten Tactical Gloves den Polizeihandschuhen, sind aber anders als diese im Bereich des Handrückens und der Fingerknöchel mit feinem Sand gepolstert. Das erhöht die Wirkung des Faustschlags. "Ein Schlag mit einem Quarzsandhandschuh und der Gegner ist k.o.", sagt ein Kenner.

Der Berliner Fall beschränkte sich zunächst auf einen aus 30 Beamten bestehenden Zug einer Einsatzhundertschaft. Nach einem entsprechenden Hinweis bei der Polizeiführung waren in zwölf Einsatztaschen Quarzsandhandschuhe zu Tage gefördert worden. Gegen sieben Führungskräfte, darunter der Hundertschaftsführer und ein Zugführer, wurden dienst- und strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Sie sollen ihre Untergebenen dazu gedrängt haben, sich die Schlägerhandschuhe zuzulegen und im Einsatz unverhältnismäßig hart zu agieren.

Zunächst hatte Polizeipräsident Glietsch vermutet, dass es sich bei dem "Skandal" um einen bedauerlichen Einzelfall in seiner Behörde handelt. Aber er wurde eines Besseren belehrt. Von den rund 1.900 Angehörigen der geschlossenen Berliner Einheiten sollen 20 Prozent im Besitz von Quarzsandhandschuhen sein, haben taz-Recherchen ergeben, die sich auf eine Quelle in der Polizei stützen. "Viele Kollegen benutzen die Handschuhe seit Jahren", bestätigte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Eberhard Schönberg. Die Härte, mit der der Polizeipräsident die Quarzsandhandschuhe verurteile, werde von den Einheiten nicht verstanden, verteidigt Schönberg die Beamten. Schließlich seien die Handschuhe jahrelang innerhalb der Polizei toleriert worden. Mit mangelndem Unrechtsbewusstsein habe das nichts zu tun. Die Kollegen hätten sich die Handschuhe zum Schutz zulegt, weil die Einsätze immer brutaler würden. Von der Politik würden sie mit diesen Problemen allein gelassen.

Polizei-Chatforen im Internet deuten darauf hin, dass auch in anderen Bundesländern Quarzhandschuhe im Einsatz sind. "Wenn man ehrlich ist, würde es wohl niemand bemerken, weil diese Handschuhe schwer von normalen Einsatzhandschuhen zu unterscheiden sind", schreibt ein Beamter aus Bayern im Forum Cop-Zone. Er fährt fort: "Aber wenn dann wirklich etwas passiert, gibts mächtig Ärger vom Dienstherrn und vom Richter."

Bei der Bundespolizei und im bayerischen Innenministerium wird die Sichtweise des Berliner Polizeipräsidenten geteilt: Quarzsandhandschuhe seien nicht erlaubt, sagt der Pressesprecher des bayerischen Innenministeriums, Holger Plank. "Das ist kein Schutzhandschuh, sondern ein offensiver Gegenstand."

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