Beginn der Leipziger Buchmesse: Gute Laune - auch ohne Grund

Durchhalteparolen, Lesungswahnsinn, 20 Jahre Mauerfall: Heute beginnt die Leipziger Buchmesse.

1.500 Autoren werden bis Sonntag nach Leipzig kommen. 1.900 Veranstaltungen sind geplant. Man wird wieder in der Gängen der Messehallen stehen und staunen. Bild: dpa

Jetzt beginnen wieder die Tage der sanften Schizophrenie, denn jetzt beginnt die Leipziger Buchmesse - und da ist es jedes Jahr ein bisschen mehr so, dass man die auseinanderstrebenden Informationen ein bisschen weniger zusammenkriegt. Auf der einen Seite gibt es die gewohnten nicht so guten Nachrichten zu verbreiten. Dass ein großer Literaturverlag wirklich mal in Leipzig alles gibt, wie auf der Frankfurter Messe üblich - nö, das kommt nicht vor. Kein großes Verlagsfest wird in den nächsten Tagen gefeiert; ein klares Indiz dafür, für wie nebensächlich die Verlage die Messe wirklich halten. Auch Rowohlt, der zuletzt immer noch die Fahne hochhielt, hält sich diesmal lieber zurück. Der Spiegel hat 2009 wie so manches andere Presseerzeugnis noch nicht mal einen Stand auf der Messe.

Die Presseagenturen haben dazu passend Berichte verschickt, in denen vom "Niedergang" der Buchmessestadt Leipzig die Rede ist. Besonders hübsch: epd kolportiert, dass ein Mario Gäbler, 28 Jahre alt, eine Magisterarbeit zum Thema "Was von der Buchstadt Leipzig übrig blieb" geschrieben hat. Viel ist es nicht. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts kann man die Bedeutung Leipzigs für den deutschen Buchhandel nur mit der Bedeutung Roms für die katholische Kirche vergleichen. 2006 aber war Leipzig nach Anzahl der Neuerscheinungen auf den 16. Platz der deutschen Verlagsstädte gerutscht. Tendenz: jedenfalls nicht steigend.

Außerdem verkündet Gottfried Honnefelder, Vorstand des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, mit Blick auf die Finanzkrise tapfer Durchhalteparolen: "Austauschbare Bücher werden es vermutlich schwerer haben, dafür wird es mehr auf die Inhalte ankommen. In schwierigen Zeiten kaufen Leser das, dessen Wert sie schätzen." Das klingt nach einer Mischung aus Krise als Chance und Pfeifen im Walde. Nach einer Branche im Aufbruch klingt das nicht.

Auf der anderen Seite weiß man aber als langjähriger Messebesucher, dass das Ereignis selbst natürlich wieder sehr schön werden wird. 1.500 Autoren werden bis Sonntag nach Leipzig kommen. 1.900 Veranstaltungen sind geplant. Man wird wieder in der Gängen der Messehallen stehen und wieder aus dem Staunen nicht herauskommen, wie viele Bücher geschrieben werden und wie viele Menschen sich dafür interessieren. Die Halle, in der Comics- und Fantasyliteratur ausliegen, wird wieder von Horden von Jugendlichen bevölkert werden. Abends wird man durch die Leipziger Innenstadt gehen und ständig auf Menschen treffen, die gerade von einer Lesung kommen oder auf dem Weg dahin sind. Als Verbrauchsmesse rund um das Kulturgut Buch werden die kommenden Tage also wieder ganz prächtig funktionieren. Und man wird gute Laune haben, auch wenn man manchmal nicht recht weiß, wieso.

Für Menschen, denen das nicht reicht, gibt es dieses Jahr sogar ein richtiges Thema: 20 Jahre Mauerfall. Da dreht Leipzig natürlich auf, von der Lesung des Nikolaikirchen-Pfarrers Christian Führer bis zur "Langen Ossi-Wessi-Nacht" morgen in der Kuppelhalle der Leipziger Volkszeitung. Bestimmt nicht uninteressant, wenngleich uns dies Gedenken an den November 1989 ja schon sehr routiniert vorkommt. Mal sehen.

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